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Erste Mahlzeit
An heißen Tagen verströmen die Mauern meines Hauses leichten Milchgeruch. Die Wände sind verputzt und gestrichen, Fliesen bedecken die Erde, aber aus Mauerporen und Bodenritzen weht mir dieser Duft entgegen, hartnäckig schleichend wie der Schweiß uralter Liebe.
Früher ist mein Haus mal ein Stall gewesen. Das Heim eines Pferdes, einer EseUn und zweier Milchkühe. Es gab dort eine große Holztür mit einem Eisenriegel über die ganze Breite, Futtertröge aus Beton, Ochsengeschirre, Kannen und Melkschemel.
Und eine Frau wohnte in dem Stall, in dem sie arbeitete und schhef, träumte und weinte. Und auf einem Sacklager brachte sie ihren Sohn zur Welt.
Tauben spazierten den Dachfirst entlang, in den Mauerwinkeln umschwirrten Schwalben ihre Lehmnester, und so angenehm war ihr Flügelschlag, daß ich ihn jetzt noch beim Erinnern übers Gesicht streichen und meine Alters- und Zornesrunzeln glätten spüre.
Morgens malte die Sonne durch die Stalluken Lichtpunkte an die Wände und vergoldete die tanzenden Staubkörnchen in der Luft. Tau sammelte sich in den Kannendeckeln, und auf den Strohballen flitzten Feldmäuse wie kleine graue Blitze umher.
»Die Esehn war sehr ungestüm und klug«, erzählte mir meine Mutter als eine jener Erinnerungen, die sie von mir bewahrt wissen wollte, »sogar im Schlaf schlug sie noch aus, und wenn man auf ihrem Rücken reiten wollte, mein Sejde, galoppierte sie zur Tür, duckte sich unter der Eisenstange durch, und so man nicht