Bővebb ismertető
Einführung
Stehen wir heute Jugendstil-Dingen gegenüber — seien es Kunstoder Gebrauchsgegenstände —, so fragen wir nicht selten: Wieso diese eigenwillig schwingenden, blumenhaften, oft qualligen oder stilisierend geometrischen Formen, woher der kurvende Linienfluß, was verbirgt sich hinter ihm — allein Freude am Bewegten, romantische oder rationalisierte Spielerei oder mehr? Und schon erwächst daraus eine weitere Frage: Was läßt diese Dinge für uns — im Gegensatz zu unseren Müttern und Vätern — auf einmal wieder interessant werden?
Ist es eine Absonderlichkeit, wenn Gegenstände, die man bis vor kurzem noch als wertlos erachtete, neben klassische und mittelalterliche, barocke oder moderne Kunstwerke aufgereiht werden? Sammlerleidenschaften entbrennen um Vasen, Lampen, Bücher und Bilder, die vor einigen Jahren noch unbeachtet auf die Müllhalden der Kulturvergangenheit wanderten. Was noch eben »Kitsch« war, erhält nun Aussagewert über eine ganze historische Epoche, die mit all ihren Widersprüchen die geistig-materielle Entwicklung in Deutschland maßgeblich beeinflußt hat: Denn immerhin ist diese Jugendstil-Epoche die Zeit der Herausbildung und Verbreitung der Ideen, die unser Gestern und unser Heute prägten. Nicht nur Friedrich Wilhelm Nietzsches subjektivistisch-spätbürgerliche Ideologieäußerung »Also sprach Zarathustra« wurde 1885 gedruckt — ein Jahr vorher schon war August Bebels revolutionäres Buch »Die Frau und der Sozialismus« erschienen.
Der Frage, weshalb der Jugendstil — sprechen wir es ruhig aus — in Mode gekommen ist, mag entgegengehalten werden, daß es Ablehnung und Wiederaufnahme von historischen Vorbildern in der Geschichte der Kunst schon gegeben hat — erinnert sei nur an die Geringschätzung des Barocks im frühen und seine begeisterte Wiederentdeckung im späteren vorigen Jahrhundert. Sinnvoll erscheint es,
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