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ERSTER TEIL
Schattenlos lag der weite, leere Hof unter der heißen Junisonne. Der weiße Verputz der Stallmauern strahlte das grelle Licht zurück. Überall auf dem Lande gaben sich Mensch und Tier der nachmittäglichen Ruhe hin. In der unendlichen Stille unter dem glühenden Himmel vermeinte Julia Angellier den Atem der Schlafenden zu hören.
Sie hatte den Rock ihres dunkelgrünen Reitkleides hochgeschlagen und achtlos über den Arm gelegt. So setzte sie sich an den Rand des Strohschobers, der ein mageres Viereck Schatten spendete, unbekümmert darum, daß sie sich ihren gestärkten Unterrock an dem rohen Fußboden verderben könne, und stieß mit der Spitze ihrer Reitgerte spielerisch nach einem schwarz-weißen Kätzchen, das um ihre Stiefel sprang. Ungeduldig rief sie in den Stall:
»Beeile dich! So beeil dich doch etwas! Heilige Mutter Gottes! Eher könnte man einen Esel mit Nadelstichen ins Jenseits befördern, als bis du . . .«
»Ich wußte ja, daß ich dich hier finden würde«, unterbrach sie plötzlich eine sanfte Stimme.
Das junge Mädchen sprang auf und wandte sich um. »Wirklich?«
Sie sah ihre Mutter einen Augenblick scharf an, rümpfte ironisch das Näschen und begann, wieder mit dem Kätzchen zu spielen.