Bővebb ismertető
Vorwort
Wir alle, die wir Gedichte oder erzählende Prosa schreiben, sind junge Autoren. Die meisten von uns haben noch nach der Veröffentlichung ihres zwanzigsten Buches das Gefühl, das Wichtigste nicht formuliert zu haben. Es liegt in uns, vor uns, ist Möglichkeit, Vision, Ansporn, lockt und zwingt uns abermals an den Schreibtisch. Kein Lebenswerk ist abgeschlossen; alles bleibt Fragment. Hinter fast jedem Satz liegt ein zweiter, ein besserer. Volltreffer sind selten. Und also sehen wir uns gezwungen, unsere Versuche und Versuchsreihen fortzusetzen.
Kein Wunder, wenn wir, junge Autoren reiferen Alters, uns mit den wirklich jungen Autoren, mit den Sechzehnjährigen und Zwanzigjährigen, verbunden fühlen. Manches, was sie verfassen, erinnert uns an eigene frühe Versuche, anderes ist nach erkennbaren Vorbildern geformt, vieles überrascht, erfreut, ergreift und bezaubert durch die Strahlungskraft einer originellen und starken Begabung. Wir spüren: Hier wird erlittenes Leben zur Sprache verdichtet, zu einer Sprache, in der persönliches Schicksal und drängendes Mitteilungsbedürfnis, aber auch die Lust am Spiel gültige Form gefunden haben. Wir glauben, im sprachlichen Gewebe der Gestaltung die Gestalt des Verfassers wahrzunehmen.
Die Verbundenheit zwischen jungen Autoren verschiedenen Alters wird durch den Literaturwettbewerb des Osterreichischen Bundesverlages immer wieder erneuert. Mit dem hier vorliegenden Sammelband finden nun die wirklich Jungen zum vierten Mal eine Möglichkeit, sich in der Öffentlichkeit vorzustellen, sich der Kritik zu stellen. Die Bändchen „Junge Literatur aus Österreich" der Jahre 1980, 1981 und 1983/84 haben viel Bemerkenswertes enthalten und das Ergebnis des letzten Wettbewerbs - der Inhalt dieses Buches - zeigt ebenfalls eine erstaunliche Anzahl von Begabungen. Auch diesmal haben die Mitglieder der Jury sehr viel lesen müssen, und die Diskussionen über das eine oder andere Manuskript waren mitunter lang und heftig. Aus insgesamt 809 Einsendungen kamen etwa zweihundert