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Die Welt gehört uns wieder
Nach Robespierres Sturz und Ende öffnen sich die Pforten der Gefängnisse. Tausende, die schon an der Schwelle des Todes gestanden haben, kehren zur hellen Sonne zurück. Laut verkünden die recht fragwürdigen Männer, die den «Unbestechlichen» besiegt und gerichtet haben, daß der Schrecken vorüber, die «Rote Messe» zu Ende sei. Die Geretteten und auch die Bedrohten - und das ist jedermann - erwachen wie aus schwerem Traume und versuchen tastend die ersten Schritte in einer wiedergewonnenen Welt.
«Nach dem Schrecken ist man mit allem zufrieden, wenn man nur das Leben behält.»
Die Bändigung der rasenden Maschine auf der Place de la Concorde ruft aUe Parteiungen, Gruppen und Stände auf den Plan, die sich bisher aus Todesfurcht verkrochen haben. Paris füllt sich mit befreiten Girondisten und Royali-sten. Auch viele Emigranten kehren zurück. Die Überlebenden der Großen Revolution streiten sich um das Erbe der Gemordeten.
Die Regierenden vertreten den maßvollen Jakobinismus, wie ihn seine Gründer Bamave oder die Brüder Lameth einst verstanden haben; aber sie sehen sich von der Scylla des immer radikaler werdenden Jakobinismus der Straße und von der Charybdis der kühn erstarkenden Royalistenpartei bedroht.
In die Hauptstadt dieses unter letzten Fieberschauern zu sich selber findenden Frankreichs strömen zahlreiche Ausländer, um diesen Schauplatz weltgeschichtlicher Ereignisse zu besuchen und das gefürchtete oder bewunderte Volk der Revolution nun unter verminderter persönlicher Gefahr beobachten zu können. Fünf Jahre lang hat Europa seine Aufmerksamkeit fast ausschließlich den Geschehnissen in dieser einen Stadt Paris zugewandt und hat kaum einen Blick dafür gehabt, daß das begehrlich emporwachsende Rußland zusammen mit Preußen diese Konzentra-
Maximilien Robespierre (geb. 6.5.1758) war am 28.7.1794 hingericlitet worden.
Aus den Memoiren der Madame de Ramusat
Mit der «rasenden Maschine» ist die Guillotine gemeint