Bővebb ismertető
EINLEITUNGVorbemerkungSeit zwei Jahrzehnten etwa erscheinen in verschiedenen Ländern in zunehmender Zahl Bücher über Kalligrafie. Teilweise sind es Werke über einzelne Künstler, über kalligrafische Leistungen von Schulen und Ländern oder Veröffentlichungen, die einen internationalen Überblick zu geben versuchen. Es ist an der Zeit, daß auch Künstler der DDR, die auf diesem bei uns etwas im Schatten liegenden Gebiet arbeiten, einer breiteren Öffentlichkeit vorgestellt werden. Der VEB Fachbuchverlag fand sich bereit, ein solches Buch herauszugeben, und den Anlaß bot die Internationale Buchkunst-Ausstellung Leipzig 1989, wobei die enge verwandtschaftliche Bindung der Kalligrafie zur Buchkunst wesentlich war. Ein Dutzend der besten Künstler wurden eingeladen, sich mit je zehn Seiten eigener Arbeiten vorzustellen. Blätter mit unterschiedlichen ästhetischen Haltungen wurden gleichberechtigt nebeneinander abgebildet, um die Vielfalt kalligrafischer Bestrebungen zu zeigen.Der Titel des Buches sollte diese Vielartigkeit der Aussage betonen, und nach langem Schwanken zwischen Kalligrafische Variationen, Kalligrafische Improvisationen und Kalligrafische Expressionen schien uns die letzte Formulierung die treffendste zu sein. Der stilgeschichtliche Begriff des Expressionismus der 20er Jahre hatte jedenfalls keine unmittelbare Beziehung zu dem gewählten Titel. Wir meinen, daß es neben Harmonie und Schönheit der künstlerische Ausdruck ist, der das Wesen der Kalligrafie bestimmt. Eingangs wird neben einigen erklärenden Bemerkungen zum Gegenstand und einer historischen Rückschau auch ein kurzer internationaler Um-blick gegeben und über Länder berichtet, in denen die Kalligrafie ein größeres öffentliches Ansehen genießt. Auf einer Reise in die Volksrepublik China konnte ich beobachten, daß dort die Kunstdes Schreibens geradezu als Volkskunst betrachtet wird. Der Herausgeber und der Verlag hoffen, mit diesem Buch für eine bei uns fast vergessene Kunst eine gewisse öffentliche Aufmerksamkeit zu wecken und durch das Schauangebot der Arbeiten neue Freunde zu finden. Für das Zustandekommen dieser Veröffentlichung bedanke ich mich beim VEB Fachbuchverlag und besonders bei dessen zuständigem Fachlektor, Herrn Rolf Starke. In anderer Weise bin ich meinen Kollegen der Kalligrafie verpflichtet, die teilweise unter Zeitdruck und Hintanstellung anderer Aufgaben neue Blätter für diesen Band entwarfen, um in ideeller Gemeinsamkeit die Kunst des Schreibens zu unterstützen.Wesen und Funktion der KalligrafieKalligrafie hat jedenfalls mit Schreiben oder mit Schrifthaftem zu tun. Und Schrift ist optisch fixierte Sprache. Neben Sprechen und Gestik gilt die Schrift als das wichtigste Mittel der zwischenmenschlichen Verständigung. Jede Schrift repräsentiert ein System optischer Zeichen mit einer durch Konvention festgelegten Bedeutung. Eine chinesische Definition lautet: Schrift ist bildhaft dargestellte Sprache.1 Mag diese Auffassung besonders für die chinesische Schrift zutreffen, so berührt sie doch eine Eigenschaft aller Schriften, deren Zeichen- und Bildhaftigkeit, die zu betonen ein künstlerisches Anliegen sein kann. Auch die Buchstaben einer Lautschrift wie der lateinischen können in ihrer Genesis auf Bildzeichen zurückgeführt werden, und Bildhaftes ist noch heute in jedem Buchstaben, in jedem Wort und in jeder geschriebenen (und gedruckten) Seite erkennbar. Schrift ist also nicht nur eine Hülle für das Bedeutete, für den Text, den man schreibt oder liest. Sie ist ebenso Form und Zeichen mit einer eigenen ästhetischen Aussage, und diese bildhafte Aussage