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Sie nannte den zugelaufenen Kater Dietrich. Als sie ihn adoptierte war das einer der wenigen Fälle, in denen sie sich über die Einwände ihres Mannes hinweggesetzt hatte. Er sah nicht im entferntesten wie ein Unglücksbote aus, wenngleich er sich oft seltsam verhielt. Er hatte nichts von der dunklen Rätselhaftigkeit oder auch nur von der Geschmeidigkeit anderer Katzen. Gelegentlich rempelte er gegen ein Möbelstück, prallte zurück, entsetzt über seine eigene Ungeschicklichkeit; und er verstieg sich gern in den Bäumen, obwohl er längst kein Kätzchen mehr war. Tropfendes Wasser faszinierte ihn: Man konnte ihn häufig im Spülstein sitzend antreffen, wo er erwartungsvoll den Wasserhahn anstarrte. Manchmal schien es, als ob er in Wirklichkeit ein völlig anderes Wesen sei, das, nur um ein Heim zu finden, in einen vierbeinigen Anzug aus getigertem Fell geschlüpft war. Aber er war ein sanftes Wesen, kein Lockvogel. Als er an diesem Maiabend nach sieben Uhr noch nicht von einem seiner Streifzüge zurück war, strickte seine Herrin eine Nadel zu Ende, legte die gelbe Wolle weg und ging zur Tür, um ihn zu rufen. Es war der eine Tag in der Woche, an dem ihr Mann länger arbeitete, und obwohl er Dietrich tolerierte, mochte er es doch nicht, wenn sein ersehnter Cocktail und das wohlverdiente Abendessen von mehrfachem Rufen nach der Katze gestört wurden. Überdies hatte der Wetterbericht Regen angekündigt, und dabei, wie in so mancher anderer Hinsicht, versagte Dietrich; er merkte nie, was vorging, bis er tropfnaß war und vor Kälte zitterte. Und so wie die Nacht dem Tag folgt, bekam er danach jedesmal Bronchitis.Dietrich? Das Außenlicht traf sie kurz, ehe sie seinen Lichtkreis verließ und ihren Weg in die Polizeistatistik begann: eine großgewachsene Frau Anfang Dreißig, schlank, in Jeans und Hemd, mit kurzgeschnittenem dunklem Haar, das ein freundliches, offenes Gesicht umrahmte. Dietrich?