Bővebb ismertető
Jahrzehntelang hingen sie in der guten Stube alter Schif-
ferfamilien oder träumten verstaubt in einer Bodenecke.
In den Museen der Küstenstädte, wohin einige als Zeu-
gen vergangener Seefahrtsherrlichkeit gelangt waren,
dienten sie zumeist nur als bunte Garnierung. Und schon
gar nicht waren sie Gegenstand professioneller Kunstbe-
trachtung:
die Kapitänsbilder.
Mag man die seit einiger Zeit rollende Welle der Nostal-
gie als Ausdruck geschichtsbewußter Rückbesinnung oder
lediglich als äußerliche Modeerscheinung betrachten,
diese alten Schiiisdarstellungen rückten in bisher nicht
erlebtem Maße in das allgemeine Interesse. Somit erfuh-
ren sie erst jetzt ihre volle Würdigung. Heute sind sie
kaum noch zu haben - eine Kehrseite der Medaille ebenso
wie ihr erstaunlich gestiegener Handelswert.
Es sind diese Bilder in unseren Tagen kaum noch fami-
liäre Erinnerungsstücke, sondern fern persönlicher Bezie-
hung zu Sammlerobjekten geworden.
Vor mehr als zweihundert Jahren sind die Anfänge die-
ser gewerbsmäßig hergestellten Schiffsporträts zu suchen.
Sie erreichten im vorigen Jahrhundert zur großen Zeit der
Windjammer den Höhepunkt ihrer Verbreitung. Ihren
Ausklang fanden sie in den letzten Jahren vor dem er-
sten Weltkrieg, nunmehr schon mit dem Abbild von
Dampfern.
Die im deutschen Sprachgebrauch übliche Bezeichnung
„Kapitänsbilder" mag zunächst mißverständlich klingen,
deutet jedoch auf ein wichtiges Merkmal hin. Die Bilder
sind zum allergrößten Teil für die Kapitäne des jeweils
dargestellten Schiffes angefertigt worden und tragen
häufig auf dem unteren Rand den Namen des Schiffers.
Kunstwerke im strengen Sinne sind die Kapitänsbilder
nicht. Sie sind eher als Volkskunst anzusehen, wenngleich
auch einigen der Maler beachtliches künstlerisches Ver-
mögen und hohes handwerkliches Können zuzuschreiben
ist. Üblicherweise dominierte der realistisch-volkstüm-
liche Zug in seiner ansprechenden Weise. Die Großen der
Kunst haben sich mit diesem Genre nicht abgegeben; die
Schöpfer waren vielmehr Gebrauchsmaler in den Hafen-
städten, die sich hiermit mehr schlecht als recht ihr täg-
liches Brot verdienten. Der besondere Wert der Kapitäns-
bilder liegt in ihrer dokumentarischen Exaktheit. Die
Schönheit der alten Segler, ihre Bauweise und Beseglung
stehen im Vordergrund. Der auftraggebende Kapitän
verlangte von dem Maler vor allem ein detailgetreues
Abbild seines Schiffes.
Es gab nicht nur unterschiedliche Qualitäten der Aus-
führung, sondern ebenso verschiedene Techniken, vom
Aquarell über das Ölbild bis zur Hinterglasmalerei.
In den letzten Jahren sind mehrere Arbeiten über Schiffs-
porträts erschienen, so daß sich dieser Spezialkatalog auf
die Vorstellung der im Schiffahrtsmuseum Rostock vor-
handenen Bilder beschränken kann. Besonders sei auf
das von Werner Timm 1971 im Hinstorff-Verlag unter
dem Titel „Kapitänsbilder" erschienene Buch verwiesen,
das - wenn auch heute nicht mehr in allem aktuell - den
Bestand vornehmlich im Küstenbereich der DDR vor-
stellt und profunde Auskunft über alles darüber Wissens-
werte gibt.
Das Rostocker Schiffahrtsmuseum besitzt die mit Ab-
stand reichhaltigste Sammlung von Kapitänsbildern in
der DDR. In den letzten zehn Jahren konnten noch zahl-
reiche davon erworben werden, so daß heute 102 Stücke
den Rostocker Museumsbesitz ausmachen. Einige davon
befinden sich in dem zum Schiffahrtsmuseum gehörigen
Warnemünde-Museum sowie im Schiffbaumuseum auf
dem Traditionsschiff.
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Dr. Lachs, Direktor