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1 Karl, König der Franken
Karl der Große, der „Vater Europas", schuf ein Reich, das bis heute die politischen, gesellschaftlichen, kulturellen, religiösen Strukturen Westeuropas vorgeprägt hat. Als er starb, herrschte er über fast das ganze christliche Abendland. Rund fünfzehn Millionen Menschen in einem Raum von 1,350.000 km2. Karl der Große war nicht Deutscher, nicht Franzose, sondern von seiner Geburt bis zu seinem Tode Franke. Karl Pippinsohn folgt als Politiker und Herrscher in allen wesentlichen Bezügen der Politik seines Vaters Pippin. Er weiß sich zeitlebens als eine Verkörperung seiner „heiligen", das heißt heilsstarken, siegreichen fränkischen Vorfahren. Der Barbarenfürst Karl der Große ist der Sohn eines harten und grausamen Barbarenvolkes von Kriegern, die das Glück hatten, immer wieder sehr tüchtige Heerführer zu erhalten: sie machten diese zu ihren Königen.
„Franken": Das ist der Name eines Bundes von germanischen Stämmen: Chattuarier, Chamaver, Angrivarier, Brukterer. Cäsar zieht gegen sie 55 v. Chr. über den Rhein zu Felde, sie siedeln damals zwischen Lippe und Lahn, um das heutige Dortmund. Unter Augustus kreuzigen sie römische Kaufleute, verwüsten gallisches Land, erobern den Adler der 5. römischen Legion. Später werden fränkische Söldner römische Militärkolonisten. Als Herren der römischen Provinz Gallien verschmilzt ihre Oberschicht mit der gallo-römischen Oberschicht der großen Grundbesitzer und der Bischöfe. Chlodwigs Vater Childerich kämpft als Heerführer des Römischen Reiches gegen Westgoten und Sachsen. In seinem Königsgrab in Tournay findet man 1653 kostbare Arbeiten in germanischem Stil, einen mit Goldbienen bestickten Purpurmantel, einen Gürtel mit einer Börse, die mehr als 300 Gold- und Silbermünzen mit Kaiserbildern enthält.
Karl gibt seinem Sohn und Reichserben Ludwig den Namen des Gründers des fränkischen Reiches, Chlodwig (Chlodwig = Hludowicus = Ludwig); Ludwig soll der wiedergeborene Chlodwig sein.
Chlodwig (482-511) „war ein Barbar, der sich zivilisierte, ein Germane, der sich teilweise romanisierte, ein Heide, der sich ein christliches Gewand umlegte" (Karl Bosl). Chlodwig, grausam, hinterhältig, skrupellos, aber ein
Linke Seite: Karl der Große mit einem seiner Söhne und einem Schreiber. Aus Lupus von Fulda, Leges Barbarum, Kopie aus dem 10. Jh. eines karolingischen Originals. (Archivo Capitolare, Cod. O.l.l, f 154.)
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