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Karl Kraus 1874-1936 [antikvár]

Karl Kraus

 
602 Sigurd Paul Scheichl Karl Kraus. Zur Einführung. Der zentrale Aspekt des Werkes von Karl Kraus kann in einer Ausstellung nicht gezeigt, nur angedeutet werden: seine intensive Kritik an den Medien und ihrer Sprache. Es gibt in der Weltliteratur dazu keinen Parallelfall; trotz seiner Fiktion des ,New-speak' und seinem wichtigen Essay ,Politics and the English Language' kommt auch George Orwell nicht als solcher in Frage, und bei Bachmann, Boll, Enzensberger ist die Auseinandersetzung mit der öffentlichen Sprache nur ein Thema unter...
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602 Sigurd Paul Scheichl Karl Kraus. Zur Einführung. Der zentrale Aspekt des Werkes von Karl Kraus kann in einer Ausstellung nicht gezeigt, nur angedeutet werden: seine intensive Kritik an den Medien und ihrer Sprache. Es gibt in der Weltliteratur dazu keinen Parallelfall; trotz seiner Fiktion des ,New-speak' und seinem wichtigen Essay ,Politics and the English Language' kommt auch George Orwell nicht als solcher in Frage, und bei Bachmann, Boll, Enzensberger ist die Auseinandersetzung mit der öffentlichen Sprache nur ein Thema unter anderen. Kraus beginnt, von ersten journalistischen Erfahrungen enttäuscht, in seiner 1899 gegründeten Zeitschrift ,Die Fackel' zunächst noch nicht als Kritiker der Medien. Ihm geht es um die Bekämpfung öffentlicher .Korruption' in Österreich, um das Aufdecken' von Mißständen aller Art, in der Wirtschaft, auf den Universitäten, in der Rechtsprechung. In ihren Anfängen ist ,Die Fackel' nichts anderes als eine wahrhaft unabhängige kritische Zeitschrift. Doch sehr rasch wird Kraus bewußt, daß die meisten Mißstände, die er anprangert, mit der Presse zu tun haben: sie werden durch die Zeitungen gedeckt, die manchmal davon - etwa über Annoncen — profitieren. Als 1902 die korruptionsfeindliche Tageszeitung ,Die Zeit' ins Leben gerufen wird, erkennt aber Kraus schlagartig, daß es eigentlich nicht auf das ankommt, was die Medien schreiben — oder verschweigen —, sondern darauf, wie sie es schreiben. ,Medien' - das Wort war Kraus noch nicht bekannt. Sein Angriff konnte sich nur gegen die großen Tageszeitungen richten, die damals das einzige Massenmedium gewesen sind. Doch hat er - das spricht für seine Sensibilität - sehr frühzeitig auch auf den Rundfunk geachtet, den er bezeichnenderweise vor allem in seiner Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus, in der ,Dritten Walpurgisnacht' (1933), immer wieder zitiert. Das meiste von dem, was Kraus über die Zeitungen sagt, läßt sich im übrigen unschwer auf die elektronischen Medien übertragen. Die zentralen Begriffe von Kraus' Medienkritik sind ,Phrase' und ,Phantasie'. ,Phrase' steht für das beliebig reproduzierbare, in der Presse unabhängig vom jeweiligen Sachverhalt auch stets immer gleich reproduzierte Klischee, das einem Erfassen der konkreten Wirklichkeit im Wege steht. .Phantasie' steht für die Denk-und Vorstellungsfähigkeit des Menschen, die zur Orientierung in der Wirklichkeit nötig ist, aber durch die .Phrase' in festgelegte Bahnen gezwängt, an einer Auseinandersetzung mit der je besonderen Situation gehindert wird. Diese Wirkung des .Tonfalls', die Wahrheit der aphoristisch formulierten Hypothese: „Die Verzerrung der Realität im Bericht ist der wahrheitsgetreue Bericht über die Realität" (Beim Wort genommen, S. 329), hat

Termékadatok

Cím: Karl Kraus 1874-1936 [antikvár]
Szerző: Karl Kraus
Kiadó: Zirkular
Kötés: Ragasztott papírkötés
ISBN: 3900467080
Méret: 150 mm x 210 mm
Karl Kraus művei
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