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1. KAPITEL. Russland zwischen Asien und Európa. Anfánge der russischen Geschichte. Annahme des griechisch-orthodoxen Glaubens. Blütezeit Kiews um das Jahr 1000. Niedergang des russischen Südens. Der Moskowiter Nam' ist bey allén umliegenden Völkern sehr erschroekenlich worden, alsó, dass man besorgt, es werde uns Gott durch den Moskowiterfürsten ernstlich heimsuchen. So schrieb der Gesandte des deutschen Kaisers, Maximilians I., Freiherr Sigmund von Herberstein, der im Jahre 1517 nach Russland übergesiedelt war, in dieses riesige unbekannte Reich, das von Európa wie durch eine unsichtbare Mauer abgeschlossen lag und von dem niemand wusste, gehörte es noch zu Európa oder war es schon Asien. Herberstein galt als ein kühner Mann, dass er es übernommen hatte, in dieses fremde Russenreich einzudringen. Frühere Gesandtschaften hatte man an der Grenze zur Umkehr gezwungen; oder waren die Fremden dennoch bis Moskau vorgedrungen, wurden sie gefangengesetzt und getötet. Eine wissenschaftliche Expedition, die das Land zu erforschen begonnen, war noch zwanzig Jahre vor Herberstein unter grausamster Misshandlung zurückgetrieben worden. Russland wollte Európa nicht kennen und von ihm nicht gekannt sein. Auf der einzigen Karte, die von diesem Lande bestand, waren denn auch nur Nowgorod, Kiew und Moskau bezeichnet und das Kaspische Meer als südlicher Busen des Eismeeres eingetragen. Man glaubte Russland voll hoher Gebirge; es sei das Land der Hyperboráer, im Süden von Amazonenvölkern und im Osten von Mánnern mit Hundsköpfen bewohnt. Und nun hatte Herberstein ein umfangreiches, ausführliches Buch, Rerum Moscoviticarum Commentarii, herausgegeben. In den Hauptstádten des Westens konnte das Werk gar nicht schnell genug übersetzt und gedruckt werden; jeder Gebildete wollte sich an den schauerlichen oder lácherlichen Geschichten erbauen. Je stárker der Abscheu des Verfassers über die russischen