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Barbara Borngässer - Kathedralen [antikvár]

Kathedralen [antikvár]

Barbara Borngässer

Parragon Books Ltd , Megjelenés: 2007. január 01.
 
VORWORT DES HERAUSGEBERSUnter den Bauaufgaben des europäischen Mittelalters, das niit einer Zeitspanne von ca. 1000 Jahren den größten Anteil in diesem Band beansprucht, steht der christliche Kirchenbau an erster Stelle. Überragend an Größe und Pracht sind im Gesamtbild der zahlreichen Kirchenbauten des Mittelalters (bis auf einige Ausnahmen) die großen Kathedralen, in Deutschland und Itahen Dome, im süddeutschen Sprachraum auch Münster genannt. Damit sind zunächst und im strengen Wortsinne Bischofskirchen gemeint. Cathedra...
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VORWORT DES HERAUSGEBERSUnter den Bauaufgaben des europäischen Mittelalters, das niit einer Zeitspanne von ca. 1000 Jahren den größten Anteil in diesem Band beansprucht, steht der christliche Kirchenbau an erster Stelle. Überragend an Größe und Pracht sind im Gesamtbild der zahlreichen Kirchenbauten des Mittelalters (bis auf einige Ausnahmen) die großen Kathedralen, in Deutschland und Itahen Dome, im süddeutschen Sprachraum auch Münster genannt. Damit sind zunächst und im strengen Wortsinne Bischofskirchen gemeint. Cathedra bezeichnet den thronartigen Sitz des Bischofs beim Pontifikalamt, der zugleich Symbol der hervorgehobenen bischöflichen Position in der kirchlichen Ämterhierarchie ist. Dom oder Münster hat man aber auch Kirchen ohne Bischofssitz genannt, Pfarrkirchen und in einzelnen Fällen auch Klosterkirchen, um ihnen ihrer Größe oder ihrem künsderischen Rang entsprechende Ehrentitel zukommen zu lassen.Unvorstellbare Steinmassen wurden in den drei Jahrhunderten - von 1050 bis 1350 - herbeigeschafft und bearbeitet, um allein in Frankreich 80 Kathedralen, 500 große Kirchen und einige zehntausend Pfarrkirchen zu bauen. Der Mittelalter-Spe-zialist Jean Gimpel spricht von mehreren Millionen Tonnen, die da bewegt wurden, und weist darüber hinaus auf die beträchtliche Fläche hin, die die zahlreichen Gotteshäuser in den mittelalterlichen Städten einnahmen: Die Kathedrale von Amiens war mit einer Fläche von 7700 m^ so groß, dass es der gesamten Stadtbevölkerung von ungefähr 10000 Menschen möglich war, an ein und derselben Zeremonie teilzunehmen.Kamen denn je so viele Menschen in die Kirchen? mag der skeptische Zeitgenosse von heute fragen. Eine Antwort darauf finden wir bei Suger, dem Abt und Initiator des Neubaus der königlichen Abteikirche von Saint-Denis: Oft war die Basilika an Festtagen so voll, dass die Menschenmengen wieder aus den Türen hinausquollen. ( ) So erstaurdich es auch ist, aber manchmal konnte man ein derartiges Drängen der Massen nach hinten gegen jene beobachten, die gerade eintraten, um die heiligen Reliquien - den Nagel und die Dornenkrone des Heilands - zu ehren und zu küssen, dass niemand unter den Tausenden von Menschen auch nur den geringsten Schritt tun konnte, so eng waren sie aneinandergepresst. - Festtage dieser Art gab es im Mittelalter häufig genug. Ein solcher Andrang ist heutzutage allenfalls noch bei einem wichtigen Staatsbegräbnis oder bei der Ostermesse vor St. Peter zu erwarten. Erst vor dem Hintergrund des mittelalterlichen Glaubenseifers wird die ungeheure Anstren-gung nachvollziehbar, die die Menschen damals auf sich nahmen, um die zahlreichen gewaltigen Gotteshäuser zu bauen. Tatsächlich trugen sie nicht nur durch Spenden zum Bau der Kirchen bei, sondern auch tatkräftig selbst, indem sie Karrendienste und andere unentgeltliche Hilfsarbeiten leisteten. Selbst Adlige sollen in dieser Weise aktiv gewesen sein. Frömmigkeit und Begeisterung waren also im Mittelalter nicht zu unterschätzende Antriebskräfte.Es gibt aber auch andere, wirtschaftliche, Gründe für den Bauboom. Die meisten Großprojekte - dazu zählen auch einige Kirchen der sog. Bettelorden, d. h. Klosterkirchen der Franziskaner und Dominikaner - wurden in den aufstrebenden Städten gebaut, wo eine arbeitsteilig mehr und mehr sich ausdifferenzie-rende Gesellschaft zu Geld gekommen war. Die Kirche stand dem neuen, städtischen Gewinnstreben eher feindlich gegenüber, wusste sich den wachsenden Reichtum gleichwohl zu Nutze zu machen. Nicht unbedingt strategisch und mit hinterlistigen Absichten, sondern ganz der Logik des Tauschhandels zwischen irdischen Gütern und himmlischen Heilskräften entsprechend, die zum Bestand allgemeinen religiösen Denkens gehörte. Andernfalls wäre das Verfahren ja gar nicht erfolgreich gewesen. Man belastete die zu Reichtum Gekommenen mit Schuldgefühlen und entlastete sie zur Wiedergutmachung ihrer Sünden mit der Verpflichtung,Teile ihres Vermögens oder ihrer Hinterlassenschaft frommen Zwecken zukommen zu lassen. Dazu gehörte auch der Bau von Kirchen. - Das war aber nur die eine Seite der Medaille.Auf der anderen Seite gab es auch so etwas wie mittelalterlichen Bürgerstolz, der Spendenbereitschaft mobilisierte. Das Bürgertum, das in den Städten zu vormals nie gekannten Freiheiten gekommen war, war stolz auf die Pracht seiner Städte, seiner Häuser und nicht zuletzt auf die Größe und Herrlichkeit der Kirchen. Hohe Kirchtürme von Kathedralen und Pfarrkirchen kündeten weit ins Land vom Rang des Gotteshauses. Auch das Innere der Kirchen prunkte mit gespendeten Ausstattungsstücken. Gerne ließen sich die Geldgeber Zeichen ihrer Spendenbereitschaft setzen, in der bunten Glaspracht eines teuren Kirchenfensters etwa, einem bevorzugten Ausstattungsstück zur Selbstdarstellung, und zwar in Form eines Glasmedaillons, das den Berufsstand der Spender auswies. Ein Brot stand für das Bäckergewerbe, eine Schere für das der Schneider. Man kann diese Symbole auch als Frühform der Imagepflege begreifen.

Termékadatok

Cím: Kathedralen [antikvár]
Szerző: Barbara Borngässer
Kiadó: Parragon Books Ltd
Megjelenés: 2007. január 01.
Kötés: Fűzött kemény papírkötés
ISBN: 9781405488396
Méret: 250 mm x 310 mm
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