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KAPITEL I Aufklärung
1. Einheit
I informoKon 1 Aufklärung - Beginn der modernen Kultur
Nach 1700 gewinnen zahlreiche philosophische Richtungen, die sich seit den:i ausgehenden 17. Jahrhundert speziell in Frankreich ausgebildet hatten und die vornehmlich in den Ideen der englischen Empiristen (Locke, Berkeley) und Sensualisten (Shaftesbury), der französischen Rationalisten (Voltaire, Montesquieu) und Kulturkritiker 5 (Rousseau) sowie den erkenntnistheoretischen Grundüberlegungen Kants ihren Ausdruck fanden, vor allem im protestantischen und reformierten Bürgertum Europas nachhaltige Wirkung. Diese Kultur- und Geisteshaltung wird als Aufklärung bezeichnet. Der Begriff Aufklärung wird 1691 erstmals erwähnt und steht wahrscheinlich im Zusammenhang mit der Popularisierung der Philosophie von Johann Gottfried Leib-10 niz (1646-1716), die davon ausging, daß die Monaden (das sind einfache körperliche und geistige Substanzen, aus denen sich letztlich alles in der Welt zusammensetzt) sich in stetem „aufklärenden" Aufsteigen befinden und so in der Welt einen Prozeß intellektuellen und kulturellen Fortschritts bewirken.
In der Aufklärung tritt an die Stelle des religiösen Strebens zunehmend der Wunsch 15 des einzelnen nach individuellem irdischem Glück; an die Stelle privilegierter, zunftmäßig organisierter Manufakturen tritt besonders in England das Streben, in einer liberalen Wirtschaft alle Produktions- und Handelshemmnisse zu beseitigen (David Hume leitete 1742 das Wirtschaftshandeln aus der Natur ab, und Adam Smith gründete 1776 den praktischen Liberalismus mit der Schrift „An inquiry into the nature 20 and causes of the wealth of nations" („Untersuchung über die Natur und die Ursachen des Nationalreichtums"). Gleichzeitig erreichte die philosophische und poUtische Diskussion um den Freihandel auf den Meeren ihren Höhepunkt; an die Stelle der religiösen Ordnung trat der Wunsch, alle weltlichen Lebensformen - Familie, Gemeinde, Staat, Wirtschaft, Handel - vernünftig zu „organisieren". Dieser Beginn der modernen 25 Kultur ist durch eine Säkularisierung aller Lebensbereiche gekennzeichnet - nicht mehr der in der Bibel offenbarte Glaube, sondern die allen gleichen, brüderlichen und freien Menschen einsichtige Vernunft soll Handeln, Leben und Streben bestimmen. In dem Maße, in dem Kultur- und Lebensgebiete aus dem übergreifenden Zusammenhang der Religion gelöst wurden, wurde das Religiöse auf die reine Innerlichkeit 30 eingeschränkt. Die empfindsam emotionale Frömmigkeit wurde ebenso kennzeichnend wie der Rückzug der Religion aus der Öffentlichkeit in das Private. Offenbarte