Bővebb ismertető
Einleitung
Es ist kaum über 100 Jahre her, daß der gotische Dom in Köln vollendet wurde. Im Jahre 1880 fanden in Anwesenheit höchster Vertreter von Kirche und Kaiserreich die Abschlußfeierlichkeiten statt. Während des ganzen 19. Jahrhunderts gehörte der turmhohe Baukran ebenso zur vertrauten Stadtsilhouette wie die fertigen und halbfertigen Teile der Kathedralbaustelle, und dies war auch schon im 16. Jahrhundert so (Fig. 1). Begonnen wurde das bedeutende Werk mit dem Neubau des Chores 632 Jahre zuvor, im Jahre 1248. Inzwischen arbeitet die Kölner Bauhütte wieder - wegen des fortschreitenden Steinzerfalls (vgl. S. 99). Die großen Kirchen des Mittelalters ragen - wie dieses eine Beispiel zeigt - als monumentale Geschichtsurkunden, als Glaubensdenkmale, als Kunstwerke und als fortdauernde Bauaufgaben in unsere Zeit Die geschichtliche Gegenwart, die sie hervorbrachte, mag sich für den Geschichtsunkundigen aus inzwischen weit über einem halben Jahrtausend Abstand in den Bereich von Mythos und frommer Legende verflüchtigt haben, so fem wie König Artus' Tafelrunde, die Abenteuer von Prinz Eisenherz oder die Welt des Nibelungenliedes. Doch durch ihre materielle Präsenz wirken die mittelalterlichen Kirchenbauten ungebrochen in unserer Gegenwart fort. Die Wertschätzung dieser Monumente ist offenbar allgemein und ganz selbstverständlich. In einer Zeit, da man dem Begriff des Nationalen und der Nation skeptisch begegnet, führen die Kathedralen der Gotik und der Romanik unangefochten die intemationalen Verzeichnisse jener Denkmäler von «nationaler Bedeutung» an, die im Kriegsfall zu verschonen sind (sogenannte Haager Konvention). Die höchsten Banknoten unseres Zahlungssystems zieren mittelalterliche Monumente: den 500-Mark-Schein die Burg Eitz, den 1000-Mark-Schein der spätromanische Dom zu Limburg an der Lahn. Die Welt der mittelalterlichen Sakralarchitektur findet sich auch auf anderen Wertsymbolen verewigt, auf Briefmarkenserien, Gedenkmedaillen, auf Aktienzertifikaten und