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Schlußwort
Ich habe bewiesen, daß
- Kanonische Kombinationen eines gegebenen Themas,
-Zusammenstellimgen zweier gegebener Subjekte,
- die Herstellung von Berührungspunkten zwischen zwei einander fremden Motiven mit gutem Willen und bei einigem Nachdenken in den meisten Fällen durchführbar sind.
Durch diese meine Aufdeckung des Pugenmechanismus glaube ich das Wesen der Fuge als gefügiger und handlicher dargestellt zu haben, als es in der Vorstellung von Musikstudenten von jeher erschienen war; ohne daß ich damit ihr Ansehen geschmälert hätte, das die Fuge nicht dank ihrer Kunstgriffe, sondern dadurch erworben hat, daß ihre Meister diese zugleich mit und zu Gunsten der Idee zu entfalten wußten.
So ist ein Uhrwerk ein findiges Getriebe, dem aber die gestellte Aufgabe- die Zeit anzuzeigen— erst Sinn und Wert verleiht.
Nicht die Fuge als praktisches Selbstziel, sondern die ideelle Wichtigkeit der sie bewegenden Mittel isfs, mit der ein Komponist von heute ernstlich rechnet: mit ihrer Hilfe vermag er voUends seine Idee gewandt und erschöpfend zu gestalten, seine Zeit zu künden.
Die Fuge als selbständiges Gebilde hat ihre Zeit überwunden: sie löst sich auf in die mannigfachen Funktionen, die sie ersinnen mußte, um zur eigenen Vollkommenheit zu gelangen. Diese sehen wir als ihr Endergebnis an: wie die Herstellung eines geringpren Artikels die Erfindung von Maschinen veranlaßt, die bedeutender sind, als das was sie erzeugen; wie der Vertrieb desselben Artikels eine Organisation schafft, die eine größere Schöpfung ist, als jene, der sie dient.
Es ist die Polyphonie, die zunächst in der Fuge ihre höchste Bestimmung zu erfüllen glaubte und die, zur Unabhängigkeit gereift, kostbarer geworden ist als die Fuge, ein Formgehäuse, es jemals war.
Zum letzten Mal-und hiermit nehme ich Abschied vom Leser-verkünde ich für die Tonkunst den Sieg der Melodie über jede andere Kompositionstechnik: die universale Polyphonie als letzte Konsequenz der Melodik, als Erzeugerin der Harmonie und als Trägerin der Idee.
Neue Intervalle, neue Klangmittel, neue - mächtigere und subtilere - Geister werden die Musik auf dieser Bahn ihrer Endbestimmung zuführen, die da ist: der Ausdruck menschlicher Empfindung durch die Ver-sohlingung der Töne in den Maßen des Künstlerischen.
FERRUCCIO BUSONI
In Amerika und zur Begonnen am 15. Jammr
Zeit der Kriegsfuge ^o^^ „Rotterdam"
geschrieben, März 1915. April, New York
N-St
Edition Breitkopf 37458 stich und Drucit von Brcitkopf.^ Härtel In Lelpili