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EINLEITUNG Wer wird nicht einen Klopstock lobén? Doch wird ihn jeder lesen? - Nein. Wir wollen weniger erhoben Und fleiöiger gelesen sein. Diese Verse schrieb Lessing 1753. Vier Jahrzehnte spáter jedoch meldete Schiller Bedenken an gegen ein zu eifriges Studium Klopstocks. In seiner programmatischen Schrift „Über naive und sentimentalische Dichtung" heifit es:„Ich bekenne daher unverhohlen, da6 mir für den Kopf desjenigen etwas bange ist, der wirklich und ohne Affektation diesen Dichter zu seinem Lieblingsbuche machen kann; zu einem Buche námlich, bei dem man zu jeder Lage sich stimmen, zu dem man aus jeder Lage zurückkehren kann; auch, dáchte ich, hatte man in Deutschland Früchte genug von seiner gefáhrlichen Herrschaft gesehen. Nur in gewissen exaltierten Stimmungen des Gemüts kann er gesucht und empfunden werden; deswegen ist er auch der Abgott der Jugend, obgleich bei weitem nicht ihre glücklichste Wahl." Und wie eine Bestátigung der Feststellung Schillers, daG Klopstock „der Abgott der Jugend" sei, klingt es, wenn Friedrich Hölderlin in dem frühen Gedicht „Die Stille" die Verse formulierte: Jetzt belausch ich oft in deiner Hütte Meinen Schlachtenstürmer Ossian, Schwebe oft in schimmernder Seraphen Mitte Mit dem Sánger Gottes, Klopstock, himmelan. Keine historische Darstellung der neueren deutschen Literatur ist seither erschienen, die nicht seinen Namen an hervorgehobener Stelle vermerkt, seinen Lebenslauf nachzeichnet und seine Dichtungen als Beginn einer neuen Epoche in der Literaturgeschichte wertet, die nicht das Urteil bestátigt, das Goethe bereits im zweiten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts im Zehnten Buch von „Dichtung und Wahr-