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Paul Nipkow und die Folgen
Philipp Reis hat das Telefon erfunden und Thomas Alva Edison den Phonographen, Gottlieb Daimler und Karl Benz haben das Auto entwickelt, die Gebrüder Lumiere die ersten Filme gedreht - das lernten wir schon in der Schule. Vom «Erfinder» des Fernsehens jedoch erfahren wir so gut wie nichts. Kein Denkmal erinnert an ihn, wie es etwa Johannes Gutenberg in Mainz oder Otto Lilienthal in Berlin erhielten. Dennoch hat dieses Fernsehen unsere Welt und unser Leben heute bereits entscheidend beeinflußt, und es wird dies in Zukunft mit Sicherheit noch viel einschneidender tun.
Vor dem Bildschirm bleiben wir, wo wir sind, und erleben doch zugleich mit, was in weiter Ferne geschieht. Es ist ein Wunderwerk, wenn wir es mit den Augen einer jahrtausendealten Menschheitsgeschichte betrachten. Was wo immer auch geschieht, läuft - gleichzeitig mit dem wirklichen Geschehen oder auf «Konserve» festgehalten und nachträglich dargeboten - in unserer Wohnung vor uns auf dem Bildschirm ab. So werden wir Augen- und Ohrenzeugen all der wichtigen Ereignisse überall in der Welt. Die Erde ist gewissermaßen auf Zimmermaßstab zusammengeschrumpft.
Unter den Träumen, die die Menschheit seit Jahrhunderten, wenn nicht Jahrtausenden, mit geheimer Sehnsucht erfüllten, stand das Fern-Sehen obenan. Dieser Wunschtraum gewann schon dichterische Gestalt in dem geheimnisvollen Zauberspiegel der Märchen aus Tausendundeiner Nacht. Er klingt an in dem Motiv des sprechenden Spiegels von Schneewittchens Stiefmutter. Er wird im «Abenteuerlichen Simplizissimus» Grimmelshausens erwähnt. Goethe ließ Faust in einem Zauberspiegel das Bild der begehrten Helena über Raum und Zeit hinweg erschauen. Und das gleiche Motiv tauchte in den technischen Zukunftsromanen des 19. und 20. Jahrhunderts mehr als einmal auf. Der den Raum überwindende Blick in die Ferne erinnert ein wenig an die beschwörende Magie, mit der die Höhlenmaler der
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