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Werner Fincküber Witz-Zeichnung und CartoonSiehe da: wieder einmal eine Sammlung! Sie dient aber nicht der Samm-lung, sondern der Zerstreuung; mit den Mitteln der Konzentration:Die Unzahl moderner Witzzeichnungen - heute Cartoons genannt - wurdeauf eine Anzahl reduziert (sie ist immer noch so groß, daß gar nicht alleim Innern dieses dicken Buches Platz finden konnten, sondern im Vorsatz-papier und auf dem Umschlag wartend Platz nehmen mußten).Konzentriert sind die komischen Effekte: Unser Zwerchfell ist das Zen-trum der Schießscheibe, auf die die hier vereinten Scharfschützen unent-wegt zielen und akkurat ins Schwarze treffen. Ihre geistige Ausrüstungist modern; wie beladen waren da noch die Karikaturisten des vorigenJahrhunderts mit dem Rücksichtnehmen auf den Publikumsgeschmack, deralle Regeln der Kunst peinlichst beachtet haben wollte. Da mußte jedeWitzzeichnung erst einmal ihre Überschrift haben: ,Gut gegeben!' ,EinPfiffikus!' ,Schlau!' Unverbesserlich!' Man lacht heute mehr über dieseUberschriften als über die darunter abgelegten Witze.Und dann wollte man es ganz genau wissen: Da sah ich - im Jahrgang 02der Fliegenden Blätter - den St. Nikolaus vor einem aktiven Majorstrammstehen; darunter die Worte: Zu Befehl, Herr Major! - Aha (denktder Betrachter von heute), Unteroffizier abkommandiert zum hohen Vor-gesetzten; fällt als gedrillter Untergebener bei Frage sofort aus Rolle.Meldender St. Nikolaus nicht unkomisch; besten Dank; nächstes Bild -aber nein: da stehen über dem Bild noch ein paar Worte: Fehl am Platze!War das nötig? Für die Mentalität der damaligen Witzblattgemeindeoffenbar ja. Heute - heute nimmt uns solche Umständlichkeit nur Zeit weg.Oder:In einer unverkennbaren Studentenbude kauert ein junger Mann am Fuß-ende seines Bettes mit dem Kopf über dessen Pfosten; mit verglastem Blickstiert er auf seinen Mops, der - in vierfacher Ausfertigung - vor ihm steht.Unterschrift: Studiosus. In Klammern: stark angeheitert . . . Uberschrift:Im Nebel.Nicht etwa, daß der Zeichner unserer Tage gänzlich ohne Über- oderUnterschriften auskäme. Aber wieviel sparsamer geht er damit um! DerLeser ist längst daran gewöhnt, sich sein Teil zu denken (wenn auch geradedie Comicstripes und Cartoons ihm das Denken weitgehend abnehmen).So bekäme jener Studiosus heute bestimmt keine Unterschrift mehr. Undschon gar keine Uberschrift. Die äußerste Konzession an die Unmißver-ständlichkeit wäre vielleicht ein im Blickwinkel des Studenten über demvierfachen Mops schwebendes Fragezeichen.Typisch für moderne Textierung eines Cartoons ist die Beschriftung einerZeichnung, die uns zwei Männer in einem Büro zeigt. Der eine sitzt amSchreibtisch; auf einem Stuhl davor der andere. Auffallend ist der gutEinsneunzig große Roboter, den der auf dem Stuhl Sitzende in der Handhält. Die Uberschrift: Beim Patentanwalt, die hier eigentlich fällig ist,wird ersetzt durch das Wort Patentanwalt, das wir - in Spiegelschrift -