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Die arktische Wildnis
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Die meisten Menschen sind der Auffassung, daß die gesamte Arktis nördlich des Polarkreises nur aus ewigem Eis besteht. Dabei gibt es dort sehr unterschiedliche Klimazonen, und zwar die eigentliche Polarwelt sowie die angrenzende arktische Tundra, eine Landschaft von riesiger Ausdehnung, die zwischen den nördlichen Ausläufern des Waldgürtels und dem Eis des Polarmeeres etwa ein Zwanzigstel der gesamten Erdoberfläche bedeckt.
Keine andere Gegend der Erde weist so starke Klunaschwankungen auf. Im Winter sinkt die Temperatur bis auf -63°C. Im Sommer steigt die Quecksilbersäule gelegentlich bis auf -l-20°C. Das reiche und hektische Leben in der Tundra konzentriert sich auf die kurze Zeitspanne von Juni bis August, die Zeit der Mittemachtssonne. Die Wärme taut den Dauerfrostboden nur an der Oberfläche wenige Zentimeter tief auf, und das Schmelzwasser, das nicht versickern kann, bildet ein Labyrinth von Bächen, Tümpeln, Teichen und Sümpfen. Da die Sonne während des arktischen Sommers niemals untergeht, bedeckt sich die arktische Steppe alsbald mit einem dichten Teppich blühender Blumen, und die Tiere ziehen aus ihren südlichen Überwin-temngsgebieten in großen Schwärmen heran, soweit sie nicht wie Moschusochse, Eisbär, Schneefuchs, Schneehase, verschiedene Robben, Erdhömchen und Lemminge in der Tundra überwintem. Zu meinen stärksten Erlebnissen gehört meine Expedition in die arktische Wildnis zu den Bmtstätten der Schnee- und Blaugänse, Kanada-und Rmgelgänse, der Schnee-Eulen, Seetaucher, Raubmöwen und der vielen schnepfenartigen Vögel der East Bay im Osten von Southamp-ton Island in den kanadischen Nordwestterritorien. Dieser Brutplatz ist so schwer zu erreichen, daß selbst die Eskimos, die weitgehend von der Jagd leben, nur selten dorthin kommen, um Vögel zu schießen oder ihre Eier einzusammeln. Wir beschlossen, mit Hundeschlitten die East Bay zu erreichen. Unsere zwei Eskimos, Leo und Peter, haben für die Expedition zwei besonders lange Schlitten ausgewählt und auf ihnen mit Walroßlederriemen je ein Boot festgeschnallt. Das hat den Vorteil, daß wir mit dem Proviant und dem Filmgerät wie in einer trockenen Wanne liegen. Dazu haben sie die Boote mit Karibufellen weich ausgepolstert, die uns warmhalten und Mensch und Gerät vor harten Stößen schützen. Bei glattem Eis schaffen die Hunde bis zu 100 Kilometer am Tag. Jetzt, bei beginnender Schneeschmelze, geht es viel langsamer voran. Immer wieder gibt es auf dem Eismeer Pfützen, viele über 100 Meter breit und bis zu einem halben Meter tief. Sechs Stunden sind wir mit kurzen Unterbrechungen unterwegs, da beschließen die Eskimos, an der Küste des Eismeers unser Rundzelt aus dichtem Leinen aufzubauen. Kaum sind wir zu viert im Windschatten geborgen und haben den Kocher in Gang gesetzt, wird es mollig warm im Zelt. Wir haben Karibufelle auf den Boden gelegt und darauf unsere mit Eiderdaunen gefüllten Schlafsäcke. Unser Abendessen besteht aus Karibufleisch und schmeckt vorzüglich. Als wir nach
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