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DER PALAST VON KNOSSOS Allgemeiner Überblick Die Zentren der verfeinerten minoischen Kultur der Palastzeit, die wahrend des 2. Jahrtausends v. Chr. als eine der groBen Kulturen der altén Welt auf Kréta blühte, waren die vier Palásté von Knossos, Phaistos, Mallia und Zakros. Diese imposanten Palásté waren um 1900 v. Chr. an vom geographischen Standpunkt aus gesehen günstigen Piátzen errichtet worden, die eine unmittelbare Verbindung sowohl zu den reichen Agrarzonen des Hinterlandes als auch zu den wichtigen Seewegen der Ágais und des übrigen Mittelmeeres sicherstellten. Es entstanden auch kleinere Paláste, in denen die Provinzfürsten lebten, so. z. B. in Gournia. Die Palásté waren gleichzeitig eine notwendige Voraussetzung und ein Ergebnis einer zentralisierten Wirtschaft und einer gesellschaftlichen Oganisationsform, die anscheinend einen Priesterkönig an ihrer Spitze hatte wie den legendáren Minős, der uns aus der klassisch-griechischen Überlieferung bekannt ist. Man hat den Gedanken erwogen, daB die vielen Palásté auch viele Könige voraussetzten, die - anscheinend unter der Vorherrschaft des Königs von Knossos, die möglicherweise eine religiöse Basis hatte - allerdings eine gewisse Unabhángigkeit besaBen und politisch nicht miteinander rivalisierten. Jedenfalls ist die führende Rolle von Knossos in der Religion wie auch sicher in der Verwaltung, der Gesetzgebung und der Wirtschaft der Insel offensichtlich. Diese groBen Palásté dienten verschiedenen Zwecken. Man darf sie nicht mit den Palástén jüngerer Zeit vergleichen und sie lediglich als Residenz des Königs, seiner Familie, der Höflinge, der Künstler und des übrigen Dienstpersonals betrachten; sie bildeten gleichzeitig das Zentrum des profánén Lebens einer vielschichtigen Gesellschaft, als die sich die vorgeschichtlich-kretische darstellt. Die von reichen Vilién und ausgedehnten Siedlungen umgebenen Palásté waren ebenfalls Sitze der Verwaltung und der Gerichte, zugleich aber auch bedeutende Handels- und Industriezentren sowie Kontrollstellen für die Produktionsaktivitáten eines umfangreichen Gebiets. In den ausgedehnten Lagerráumen der Palásté wurden nicht nur diejenigen Giiter aufbewahrt, die für den Eigenbedarf der Palastbewohner bestimmt waren, sondern auch die, die für die Weiterverteilung bzw. den Handel vorgesehen waren. Diese stammten aus der Steuer, die natürlich in Warenform entrichtet wurde, da das Geld noch unbekannt war. Die Palásté beherbergten gleichzeitig auch Werkstátten für alle bedeutenden Kunstgattungen. Nicht weniger bedeutend ist die religiöse Rolle, die den Palástén zufiel. Dem Kult der Göttin waren vor allém die Westflügel vorbehalten, aber auch sonst sind überall religiöse Bezüge anzutreffen. Die Palásté bildeten gleichzei-