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Der Sommer war überreif, der Herbst, an den noch niemand so recht glauben wollte, kam. Wem es nicht die Anzeichen der Natur verrieten - die seltsam klare Luft, die feinen blauen Dunstschleier abends und morgens in den Baumwipfeln -, dem kündete es ein anderes untrügliches Zeichen: die Berliner Jungen zogen zum Drachenfest aufs Tempel-hofer Feld hinaus.
Aber nicht mehr allein, die Angehörigen kamen mit, denn die Väter - wieder jung - waren ebenfalls vom Drachenfieber erfaßt worden. Schon von weitem, ehe das freie Gelände da draußen vor dem Halleschen Tor-Bezirk erreicht war, sah man bereits die Drachen unter dem blauen Himmel flimmern - in allen Farben, einen immer höher als den anderen. Überall auf dem ausgedörrten Grase Menschen -die meisten hatten es sich bequem gemacht, lagen auf dem Rücken, blinzelten nach den Drachen, verfolgten jede Bewegung und lachten schadenfroh hinter denen her, die sich in eiligem Lauf vergeblich abquälten, ihren Drachen zum Aufstieg zu bringen.
Wie das Mauerwerk einer Festung ragten die starken Wände der Brauerei TivoH aus der Ebene. Von dort klangen heute, am Sonntagnachmittag, die Töne der Kapelle, und in den Konzertgarten zog alles, was den Groschen Eintrittsgeld bezahlen konnte und sich nun bei Bier und Gänsebraten oder Jauerschen Würsten mit Meerrettich von der Mühsal einer langen Arbeitswoche erholen wollte.