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Vorwort.Das Kompendium der Kirchengeschichte, dessen erste Auflage ich in jungen Jahren geschrieben habe, ist von mir als Studenten-buch gedacht und hat sich als solches durchgesetzt. Es kam mir darauf .an, ohne alle Ansprüche auf Neues und Besonderes eine historisch entwickelnde Darstellung zu geben, die dem Benutzer einen Ueberblick über das Ganze und zugleich, in möglichst übersichtlicher Form, das zum historischen Verständnis notwendige Einzelmaterial vermittelte. Ich wollte durch mein Buch den Studenten instand setzen, ohne viel Umwege den Grund zu legen, auf dem er weiterbauen könnte, um durch Studium größerer Lehrbücher, wertvoller Monographien und vor allem durch Einarbeiten in die Quellen eine eigene historische Auffassung anzubahnen. So wenig ich auf den undurchführbaren Versuch verfallen konnte, meinen eigenen Standpunkt zu verdecken, so sehr drängte ich doch die Reflexion zugunsten der einfachen Ausbreitung des historischen Tatsachenmaterials zurück, um dem Leser den Weg zu eigener Urteilsbildung offen zu lassen. Wenn man gegen mein Buch eingewandt hat, es gebe zu viel Einzelheiten, weit mehr als der Student zu wissen brauche, so verkennt man, daß sich der menschliche Geist die ihm Zugeführten Stoffe immer nur in starker Reduktion zu eigen macht, sodaß eine allzu starke Einschränkung des historischen Einzelmaterials bedenkliche Folgen für das Wissen haben muß. Wenn man weiter gesagt hat, das Buch könne leicht zu bequemer Aneignung eines oberflächlichen Examenswissens mißbraucht werden, so ist es gegen solchen Mißbrauch natürlich so wehrlos wie jeder beliebige Gegenstand gegen Mißbrauch wehrlos ist. Daß meine Paragraphen auch nur einen einzigen Menschen von intensiverem historischen Studium abgehalten haben sollten, der sich ohne ihr Vorhandensein solchem hingegeben hätte, vermag "ich nicht zu glauben, ebensowenig wie ich glaube, daß von dem Tage an, da der theologische Büchermarkt ein weit trefflicheres kirchengeschichtliches Lehrbuch aufweisen wird, nur noch Kandidaten von tiefgründiger Gelehrsamkeit zum Examen antreten werden. Schließlich hat man geurteilt, mein Buch sei zwar ein sehr gründliches und zuverlässiges Nachschlagewerk aber keine gestaltete" Geschichte. Die Formulierung des Einwands zeugt von der Modernität des Kritikers. Aber in Wirklichkeit ist alle Geschichte gestaltete" Geschichte, auch die im Kompendium gebotene; schon die einfachste historische Tatsachenreihe ist durch unsern Geist gestaltet". Oder aber man versteht unter gestalteter" Geschichte eine id een hafte Geschichte; dann aber ist zu sagen, daß ich eine solche, aus den oben dargelegten Gründen, nicht geben wollte.