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»Im Todesjahr des Königs Usija sah ich den Herrn.« Jesaja beginnt die Schilderung seiner Berufungsvision mit der Angabe des Jahres, in dem er sie empfangen hat. Der aufmerksame Leser oder Hörer wird sich sofort fragen: Wann ist denn Usija gestorben? Was wissen wir über diesen Herrscher? Was war das für eine Zeit? Wer eine kritische Darstellung der Geschichte des altén Volkes Israel zur Hand hat, kann sich darin genauer informieren. Er wird aber bald auf biblische Quellen verwiesen -werden, u. a. auf die Bücher der Könige. Denn sie behandeln die Zeit zwischen dem Regierungsantritt Salomos (etwa 965 v. Chr.) und der Begnadigung des exilierten Königs Jojachin (561 v. Chr.)- In ihnen finden wir denn auch eine Füllé von Notizen und Jahreszahlen, Berichten und Listen. Sie sind bis zum heutigen Tage die wichtigsten Quellen des modernen Historikers für den genannten Zeitraum. Die Bücher der Könige beschránken sich allerdings nicht auf die politische Geschichte im engeren Sinne. Wir lernen auch den Kult des altén Israel náher kennen, wenn der Tempel und seine Ge-ráte beschrieben werden (1 Kön 6 und 713~51) und der Einweihung des Gotteshauses ein ganzes Kapitel gewidmet ist (1 Kön 8). Wir erfah-ren etwas über die Reform des Joschija (2 Kön 223-2324), die einen entscheidenden Wendepunkt in der Entwicklung des altisraelitischen Rechts bildet. Einen grófién Raum nehmen in den Königsbüchern die Prophetenerzahlungen ein. Oft handelt es sich dabei um Wunderge-schichten. Elischa kann z. B. den toten Sohn seiner gastfreundlichen Wirtin zu neuem Leben erwecken (2 Kön 48"37), Brot vermehren (442_44), den aramaischen Feldherrn vom Aussatz heilen (51-27) oder ein ins Wasser gefallenes Beil zum Schwimmen bringen (61-7). Nicht selten kündigen die Propheten auch an, was in Zukunft geschehen soll (vgl. 1 Kön 147-11 mit 1529). Schliefilich begegnet uns selbst Weis-heitstradition in den Königsbüchern. Das »salomonische Urteil« (1 Kön 316~28) ist hinlánglich bekannt; es steht aber als Lob der Weis-heit Salomos nicht alléin (vgl. 1 Kön 59~4 101"13). Insgesamt werden wir mit einer Sicht der Geschichte Israels vertraut gemacht, in der Schuld und Strafe eng miteinander verknüpft sind: Gott hat sein Volk und vor allém die Könige des Nord- wie des Südreiches hinlánglich gewarnt. Sie aber habén nicht darauf gehört und dadurch die Kata-strophen von 722 und 587 v. Chr. verschuldet.
Der Natne »Bücher der Könige« führt insofern etwas in die írre, als sich die Samuelbücher bereits mit der Herrschaft Sauls und Davids befassen und damit die Anfánge der Monarchie schildern. In der Sep-tuaginta werden darum die Sámuel- und Königsbücher ganz logisch als die vier Bücher der »Königsherrschaften« bezeichnet. Die griechi-sche Übersetzung weist hier auf einen Zusammenhang hin, der von der Exegese bestatigt worden ist. Denn die sogenannte »Thronfolge-