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1 Die Tetrarchen von VenedigAn der Außenecke der Schatzkammer von San Marco, links neben dem Eingang zum Dogenpalast, der Porta della Carta, steht eine porphyrene Figurengruppe, die von jeher - seit ich zum erstenmal nach Venedig kam - meine Neugier geweckt hat. Es sind zwei Paare kriegerisch gerüsteter Männer, dreiviertel lebensgroß. Mich bewegte die Gestik und der Ausdruck der Männer und das Rätsel ihrer Herkunft. In gleicher Haltung, die rechte Hand schwer auf die Schulter des Partners gelegt, ohne ihn anzusehen, umarmen die Paare einander, und jeder der Vier umspannt mit der Linken kraftvoll den raubvogelköpfigen Schwertgriff.War es der dunkelrote Porphyr oder die stumpfe, fremdländische Physiognomie der Figuren, daß der Volksglaube sie mori nannte, maurische Krieger, versteinert beim Versuch, den Schatz von San Marco zu rauben? Doch aus Porphyr wurden Götter- und Kaiserbildnisse geschlagen. Eines ist gewiß : Die beiden Paare wurden aus mächtigen Porphyrsäulen herausgebrochen und gelangten als venezianisches Beutegut im dreizehnten Jahrhundert in die Lagunenstadt. Mit ihnen wie mit zahlreichen anderen erbeuteten, kirchenfremden Kunstwerken schmückten die Venezianer die Außenfront der Basilika.Stilvergleiche und Kleidung verweisen auf eine spätantike Entstehungszeit im beginnenden vierten Jahrhundert. So lag die Vermutung nahe, daß die vier gleichgewandeten, gleichrangig ausgestatteten Männer jene Tetrarchen darstellen, die Vierkaiser, die zwischen 293 und 305 sich in die Herrschaft über das großrömische Imperium teilten; neben Diokletian waren das die Mitkaiser Maximianus, Galerius und Constantius Chlorus. Demnach könnte einer der porphyrenen Tetrar-