Bővebb ismertető
Editorial
Übersetzerinnen und Übersetzer werden gerne als Brückenbauer bezeichnet, als Vermittler zwischen verschiedenen Sprachen, Literaturen, Welten. Zweifellos sind sie das. Sie darauf zu beschränken, kommt jedoch einem Missverständnis gleich - vielmehr sind sie Akteure eines komplexen schöpferischen Prozesses, deren Beitrag weit darüber hinausgeht, Informationen aus einer Kultur in die andere zu übertragen. Was es heißt, in einem Echoraum der vielen Stimmen genau das richtige Wort zu treffen und festzuhalten, um den Leser einer »Zielkultur« zu erreichen, haben wir bereits in den vergangenen Ausgaben praktisch erkundet. Die auf Deutsch und Ungarisch schreibende Lyrikerin, aktuelle Peter-Huchel-Preisträgerin und Spiegelungen-Autorin Orsolya Kaläsz sei hier stellvertretend für die vielen Kollegen, Schriftsteller, Lektoren und eben Übersetzer genannt. Nur mithilfe dieser Akteure - der Sprachwissenschaftler und Soziologe Anthony Pym sieht jeden einzelnen Übersetzer als »minimal interculture« -können wir das Beste und Interessanteste aus den verschiedenen Sprach- und Lebenswelten abbilden.
Darum haben wir die vorliegende Ausgabe genau diesem Thema gewidmet. Gemeinsam mit einer Reihe hochkarätiger Wissenschaftler und Werkmeister der Ubersetzung schreiten wir unter der fachlichen Leitung unserer Mitarbeiterin Dr. Enikö Däcz »Kontaktzonen literarischer Übersetzung« von der Ukraine bis nach Israel ab. Wir haben uns dabei auf praktische Fragestellungen konzentriert, von aktuellen Analysen zum »Übersetzungsmarkt« bis hin zu tiefen Einblicken in Meisterwerkstätten wie jene von Jurko Prochasko, Georg Aescht, Enikö Szenkovics und Nora Iuga. Wer ihre Werke zur Hand nimmt, spürt in jeder Zeile, dass das Übersetzen einer doppelten - intellektuellen wie handwerklichen - Leistung bedarf: Sie müssen das Wort beherrschen, nur um es im selben Moment auch schon wieder loszulassen.
Vom Vertrautsein mit und manchmal auch Zuhausesein in mehreren Lebenswelten - oft gleichzeitig, öfter durch biografische Zäsuren diachron getrennt - lesen wir auch in den Texten unseres zweiten und feuilletonistischen Schwerpunkts, der sich der Aktionsgruppe Banat widmet. Einmal mehr ist es Nora Iuga, die mit uns einen erfrischenden und nichtsdestoweniger analytisch präzisen Blick auf diese »deutschen Dichter aus Rumänien« und insbesondere Rolf Bossert wagt. Richard Wagner wiederum wird vielstimmig zu seinem Geburtstag gratuliert - man wünscht sich, dass »Richards Mühle « noch lange »vom Rand zur Mitte« mahle, wie Gerhardt Csejka uns verbildlicht. Johann Lippet und Carmen Elisabeth Puchianu haben uns literarische Texte zur Verfügung gestellt, Liviu Rebreanus »Wald der Gehenkten« ist auszugsweise in neuer deutscher Ubersetzung - Georg Aescht, wer sonst? - zu lesen. Der in Klausenburg/