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J. S. BACH, VIOLINKONZERT E DUREs ist bedauerlich, dag sich von den Violinkonzerten, die Bach geschrieben hat, außer dem in d-moll für 2 Violinen nur zwei in der originalen Fassung in die Nachwelt hinübergerettet haben. Aber diese beiden (in a-moll und E-dur) sind auch dafür seit Jahrzehnten Lieblingsstücke der Geiger geworden und Prüfsteine für jeden, der klassische Technik und abgeklärtes Stilgefühl beweisen will.Als Bach an die Konzertform herantrat, war diese selbst noch sehr jung, und man weiß, daß damals es war im zweiten Jahrzehnt des 18. Jahrhunderts des Italieners Vivaldi Konzerte vor andern Achtung genossen. Ihm verdankte man neben der reinlichen Scheidung von Tutti und Solo einfen klaren, folgerichtigen Satzaufbau und das Bekanntwerden neuer virtuoser Spielfiguren. Zu den vielen, die sich ihm nachbildend anschlössen, gehörte auch Bach.Wie stark befangen die Lehre der Tonartencharakteristik zu Bachs Zeit war soweit Lehrbücher davon zeugen, nicht die Meister und ihre Werke selbst , beweist Johann Matthesons Ausspruch: E dur drücket eine verzweiflungsvolle oder ganz tödliche Traurigkeit unvergleichlich wol aus" (1713)*). Kaum ein Stück des Zeitalters widerspricht dem so, wie Bachs E-dur-Violin-konzert in seinen beiden Ecksätzen. Denn alles, was nur irgend mit Lebensfreude verknüpft werden kann: Helle, Heiterkeit, Scherz, Keckheit, stürmisches Draufgehen, das ist in vollen Schalen auf diese beiden Sätze ausgegossen.Eine Fanfare schon leitet den ersten Satz ein, gefolgt von jenen hüpfenden Munterkeitsmotiven, die uns Bach immer in bester Stimmung zeigen. Und sofort prasseln lustige Hiebfiguren" herein wie man sie nach ihrem gewöhnlichen Erscheinen in Kampfszenen nennen kann und beginnen mit dem Solisten ein neckisches Spiel. Behaglich dreht sich's von der Höhe wieder herab, nimmt einen neuen Aufschwung und endet kurz und bestimmt.Hiermit ist für den ganzen Satz die Rolle der Tuttiepisoden festgelegt. Was auch den Solisten anwandeln möge, das Orchester bändigt, neckt, unterstützt ihn und widerspricht ihm immer nur mit dem thematischen Material dieser Einleitung. Äu|3erlich ist der Satz in den Rahmen einer der da Capo-Arie angenäherten Wiederholungsform eingespannt. Während anfangs Tutti und Solo in ein reges Austauschverhältnis treten und auf kurze Strecken abwechseln, erwachen im Mittelteil (cis-moll) die eigentlichen virtuosen Kräfte. Der vorher etwas zerklüftete Aufbau gewinnt größere Festigkeit und das Klanggewebe wird dichter. Satztechnisch gesprochen, handelt es sich von da an um mehrere kleine Durchführungen". Die erste (von Takt 53 an) besteht aus glänzender Solofiguration und hat die Bedeutung, die beiden am Anfang und am Ende (Takt 70) stehenden cis-moll-Pfeiler mit einem gewaltigen Bogen zu verbinden. Zielstrebiges Sequenzenwesen*) Vgl. dazu R. Wustmann, Tonartensymbolik zu Bachs Zeit, Bach-Jahrbuch 1911, S. 60 ff. No. 712E. E. 2815