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W. A. MOZART, KLAVIERKONZERT G-DUR (K.-V. N0.453)
Die Reihe von elf Klavierkonzerten, die Mozart in den beiden Jahren unmittelbar vor „Figaros Hochzeit" (1784-1786) geschrieben hat, bezeichnet in der Musikgeschichte eine entscheidende Wandlung. Mozarts frühere Konzerte hatten mehr oder weniger die Linie innegehalten, auf die das Konzert durch Johann Christian Bach gelenkt worden war. Sie hatten für ihn die Bedeutung einer fejnen, geistvollen Unterhaltungskunst besessen. Ihr Eeiz hatte in der Leichtigkeit der Erfindung, der Eleganz der Form und in einer entwickelten virtuosen Technik des Klaviers gelegen. Häufig ausgezeichitetdurch innige Zartheit und empfindungsvolle Schwärmerei, hatten sie sich doch stets auf die der Gattung gemäßen Inhalte beschränkt. Ein Übergriff in diejenigen seelischen Bereiche, die damals in Haydns Streichquartetten und Sinfonien um ihre Gestaltung rangen, hatte Mozart für das Konzert gänzlich fern gelegen.
Der für die Zukunft maßgebliche Schritt geschah (nach der Vorstufe der Konzerte K.-V. 413, 414 und 415) mit dem Klavierkonzert B-dur K.-V. 450. Mit dieser Komposition unternahm Mozart — noch in der abschließenden Arbeit an den 6 Haydn gewidmeten Streichquartetten begriffen — den Versuch einer Durchdringung des herkömmlichen Konzerts mit dem Ausdrucksbereich und den Formen der neuen Sinfonie. Es war ein Schritt von unabsehbarer
geschichtlicher Tragweite. Seine letzten Folgen reichen bis in die Gegenwart.
Den mit K.-V. 450 beschrittenen Weg verfolgten die anschließenden Konzerte geradlinig weiter. Auf diesem Wege liegt auch das Konzert G-dur (K.-V. 453). Seine Wirkung liegt weniger in der virtuosen Brillanz oder im bunten Wechsel der Einfälle — wie sonst oft in Mozarts Klavierkonzerten als in dem gelösten Fluß des Ganzen und dem farbigen Reichtum klanglicher Schattierungen. In der Thematik eher zierlich, liedhaft, idyllisch als festlich, rauschend oder gar dramatisch, entfaltet es seine zarten, verborgenen Reize in der Feinheit der Stufungen. Der thematische Ansatz ist eher sparsam als üppig. Der erste Satz begnügt sich zunächst mit dem Zweithemenmaterial des Anfangsritornells und erweitert dies nur im Klaviersolo durch ein drittes Thema (T. 110 ff.), dessen Funktion keineswegs etwa in der Bildung von Gegensätzen, der Erzeugung von Spannungen, sondern im Verbinden und Beruhigen liegt. Es wirkt als Brücke zwischen den beiden Anfangsthemen. Durch dieses Schattieren, Stufen und Verbinden erhält der Satz schon einen Schimmer jenes lichten und schwerelosen Gleitens, das die späteren Konzerte Mozarts auszeichnet. In geschmeidigem Wechsel der Farben und Gebilde entfaltet er sich mit müheloser Anmut. Der Eindruck des ruhigen Dahin-4866