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VORWORT
Mozarts glanzvolle Künstlerlaufbahn als Klaviervirtuose während der Wiener Jahre, der in dem unglaublidi kurzen Zeitraum von Anfang 1784 bis Ende 1786 die Komposition von nidit weniger als zwölf Klavierkonzerten, dem „Höhepunkt von Mozarts instrumentalem Sdiaffen"zu verdanken ist, ging am 5. Dezember 1786 jäh zu Ende: An diesem Tage spielte er im Trattnersdien Casino zum letzten Mal im Rahmen einer seiner vier Advents-Akademien dieses Jahres öffentlidi ein eigenes Klavierkonzert, das Konzert KV 503 2. Damit war das Kapitel „Klavierkonzert" im Werk Mozarts so gut wie abgesdilossen; es folgten in den nächsten Jahren dann nur noch zwei als „Nachzügler" dieser Gattung zu bezeichnende Konzerte, das zweite „Krönungskonzert" KV 537 und das am S.Januar 1791 in Mozarts eigenhändigem Yerzeickniiß aller meiner Werke eingetragene B-dur-Konzert KV 595 Nadidem während des Jahres 1787 Mozarts Akademien ausgeblieben waren, versuchte er nach dem triumphalen Erfolg des Don Giovanni in Prag ganz offen-sichtlidi, die Gunst des Wiener Publikums zurückzugewinnen. Zu diesem Zweck und vermutlich im Hinblick auf eventuelle Fasten-Akademien komponierte er im
Februar 1788 das Klavierkonzert KV 537. Zu Akademien und damit zu einer Aufführung des Werkes in der Fastenzeit 1788 ist es jedoch wohl nicht gekommen. Auch der Plan, im Juni 1788 „Academien im Casino" zu geben, scheint als Mozarts letzter Versuch, im öffentlichen Musikleben Wiens wieder Fuß zu fassen, ebenfalls zum Scheitern verurteilt gewesen zu sein''. Das neue Klavierkonzert erlebte zunächst also keine Aufführung; erst während seiner Reise nadi Berlin 1789 fand Mozart Gelegenheit, das Werk in einem Konzert am Dresdner Hof (14. April) vorzutragen. Außer in Dresden hat Mozart das Konzert dann vermutlich noch in Frankfurt/Main zur Aufführung gebracht: Das Programm seiner einige Tage nach der Krönung Leopolds IL stattgefundenen Frankfurter Akademie am 15. Oktober 1790 nennt neben zwei Sinfonien (KV550 und KV 551?) auch zwei Klavierkonzerte. Da die bei J. André, Offenbach, 1794 erschienenen Stimmenerstdrucke der Konzerte KV 459 und KV 537 beide mit dem Titelvermerk Ce Concerto a été executé par l'Auteur / a Francfort sur le Mein, a l'occasion / du Couronnement de l'Empereur / Leopold IL versehen sind, darf mit einiger Sicherheit angenommen wer-
1 A. Einstein, Mozart. Sei» Charakter — Sein Werk, Stodcholm 1947, S. 400. « Vgl. O. Jahn - H. Abert, W. A. Moiart, Band I, Leipzig Vl955, S. 833, und Vorwort zu Neue Mozart-Ausgabe (NMA), Serie V / Werkgruppe 15 / Klavierkonzerte ¦ Band 7, vorgelegt von H. Bedt, S. VII. Nadi Mozart. Die Dokumente seines Lebens, gesammelt und erläutert von O. E. Deutsch. NMA X/34, 5. XII. 1786, S. 246, ist die „Abhaltung der vier Akademien" und damit natürlidi auch die Aufführung von KV 503 am 5. XII. 1786 fraglich; naA Leopold Mozarts Brief
an Nannerl vom 8. XII. 1786 waren sie jedoch zumindest geplant. Vgl. zu dieser Frage auch das Vorwort zur Bärenreiter-Tasdienpartitur 64, Mozart, Konzert in C für Klavier und Ordiester KV 503, hrsg. von H. BecJc, S. V.
3 Zum VerzeidtHüß aller meiner Werke . . . vgl. die Faksimile-Ausgabe von O. E. Deutsch, Wien, Leipzig, Zürich. London 1938. — KV 595 ist als Bärenreiter-Taschenpartitur 91, hrsg. von W. Rehm, erschienen.
4 Vgl. den Brief Mozarts an Midiael Pudiberg von Anfang Juni 1788.