Bővebb ismertető
DER BOYKOTT BEGINNT
Gegen Ende Juni 1961 fand in der Aula der Hamburger Universität ein Podiumsgespräch zwischen vier marxistischen und vier bürgerlichen Theaterleuten und Kritikern statt. Das Thema lautete: „Brecht - Funktion und Chance auf den westdeutschen Bühnen". Nachdem der Stuttgarter Theaterkritiker Siegfried Melchinger, der sich gerne als Brecht-Kenner bezeichnen läßt, die tiefsinnige Überlegung angestellt hatte, warum Marx keine Theaterstücke geschrieben habe, erklärte er zu der Frage, weshalb das Werk eines kommunistischen Dichters in der notorisch antikommunistischen Bundesrepublik gespielt werde, sinngemäß: die demokratische und freiheitliche Ordnung der Bundesrepublik sei stark genug, das Werk Brechts zu vertragen. Indem Brecht gespielt werde, beweise sich gerade die demokratische und freiheitliche Substanz des westdeutschen Staates. In ihrer Antwort erklärten der Münchener Literaturhistoriker und Theaterkritiker Ernst Schumacher und der Verfasser dieser Schrift, die Brecht-Aufführungen in der Bundesrepublik bewiesen keinesfalls die „demokratische und freiheitliche" Ordnung dieses Staates, sondern man spiele Brecht, weil er auf die brennenden Fragen unserer Zeit eine Antwort gebe, die von keinem anderen westdeutschen Stückeschreiber zu hören sei, eine marxistische Antwort, dargeboten als große Dichtung. Es sei jedoch keinesfalls sicher, daß die Stücke Brechts weiterhin und kontinuierlich aufgeführt werden könnten; eine Zuspitzung der politischen Situation würde genügen, um das Werk
113