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Kriechtiere und Lurche [antikvár]

Kriechtiere und Lurche [antikvár]

 
VORWORT „ Tuviese schmutzigen und widerlichen Tiere« »LJh >ihr Schöpfer 'hat seine Kräfte nicht angestrengt, um mehr aus ihnen zu machen.« Diese Bemerkungen über Lurche und Kriechtiere stammen von dem berühmten schwedischen Naturforscher Carl von Linné, der Mitte des 17. Jahrhunderts das heute noch verwendete System der Klassifizierung von Tierarten begründete. Doch schon zuvor wurden diese »niedrigeren Formen« des Lebens für weniger wertvoll gehalten als die »höheren« Säugetiere und Vögel und entsprechend in der...
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VORWORT „ Tuviese schmutzigen und widerlichen Tiere« »LJh >ihr Schöpfer 'hat seine Kräfte nicht angestrengt, um mehr aus ihnen zu machen.« Diese Bemerkungen über Lurche und Kriechtiere stammen von dem berühmten schwedischen Naturforscher Carl von Linné, der Mitte des 17. Jahrhunderts das heute noch verwendete System der Klassifizierung von Tierarten begründete. Doch schon zuvor wurden diese »niedrigeren Formen« des Lebens für weniger wertvoll gehalten als die »höheren« Säugetiere und Vögel und entsprechend in der Forschung vernachlässigt. Dies war die historische Bürde, die die Lurche und Kriechtiere über Jahrhunderte tragen mußten. Heute sind sie gemeinsamer Forschungsgegenstand der Herpetologie, ein von dem griechischen herpeton abgeleiteter Begriff, der die Bedeutung »kriechende Dinge« hat. Diese gemeinsame Betrachtung beider Tiergruppen hängt weniger mit einer großen Ähnlichkeit zwischen beiden zusammen, sondern ist eher dadurch bedingt, daß Amphibien und Reptilien — wie Lurche und Kriechtiere auch genannt werden — auf sehr ähnliche Weise gesammelt und gehalten wurden. Herpetologen wissen inzwischen, daß die Unterschiede zwischen beiden Gruppen größer sind als die Gemeinsamkeiten. Die nähere Beschäftigung mit diesen Tieren führte schließlich zu faszinierenden Erkenntnissen über sie und über die Tierwelt im allgemeinen, was zur Folge hatte, daß das Interesse an ihnen noch mehr wuchs. Trotz gemeinsamer Merkmale wie einer wechselwarmen Körpertemperatur und nur einer einzigen Herzhauptkammer (Vögel und Säugetiere besitzen dagegen zwei) unterscheiden sich Lurche und Kriechtiere doch erheblich voneinander. Während Amphibien mit einer weichen, elastischen und wasserdurchlässigen Haut ausgestattet sind, haben Reptilien oftmals eine rauhe, schuppenbedeckte und feuchtigkeitsabweisende Haut. Und während die Eier der Amphibien schalenlos sind und im Wasser oder in sumpfiger Umgebung abgelegt werden müssen, sind die Eier der Reptilien durch eine pergamentähnliche oder harte Schale gegen Austrocknung geschützt, so daß sich der von Flüssigkeit umgebene Embryo auch auf dem trockenen Festland bis zur Reife entwickeln kann. Diese Unterschiede machen deutlich, welche Stellung beide Tiergruppen in der Entwicklungsgeschichte der Wirbeltiere einnehmen. Die Amphibien durchüefen die Entwicklung von wasserlebenden Fischen zu nahezu uneingeschränkt auf dem Land bewegungsfähigen Vierfüßern. Dies erforderte eine tiefgreifende Neuorganisation des Skeletts, besonders der Extremitäten, vergleicht man die Flossen eines Fisches mit der fünffingerigen Extremität eines Lurches. Die Tiere mußten femer ihre Atmungsorgane umstellen, um Sauerstoff aus der Luft aufnehmen zu können, den sie vorher über Kiemen und Haut in gelöster Form aus dem Wasser bezogen hatten, eine Fähigkeit, die auch schon Fisch-Vorfahren entwickelt haben mußten. Während die Amphibien in hohem Maße noch auf das nasse Element angewiesen sind, sind die Kriechtiere bei der Eroberung des Festlandes einen Schritt weiter gegangen: Indem sie eine verhomte, vor Austrocknung schützende Haut und hartschalige Eier entwickelten, machten sie sich vom Wasser weitgehend unabhängig, so daß sie nun auch trockene Gebiete besiedeln konnten. Nachdem Lurche und Reptilien die neue Umwelt erobert hatten, entstand bald eine ungeheure Formenvielfalt dieser Tiere, die in mehreren Phasen des Erdmittelalters ein wesentlich bedeutenderes Faunenelement darstellten als heute. Einige Millionen Jahre lang waren die Reptilien die beherrschende Lebensform. Im Veriaufe der Entwicklungsgeschichte reduzierte sich jedoch die Artenzahl beider Tiergruppen erheblich, so daß die Amphibien heute mit etwa 3 000 Arten die kleinste Wirbeltiergruppe bilden, während die ReptiUen mit etwa 6 000 Arten zahlenmäßig noch hinter den Fischen und Vögeln zurückstehen. Die Herpetologie hat heute einen hohen Wissensstand erreicht und braucht keinen Vergleich mehr mit der Vogel- und Säugetierkunde zu scheuen. Dies hängt teilweise auch mit einer geänderten Betrachtungsweise zusammen, die nicht mehr zwischen »höheren« und »niederen« Wirbeltieren unterscheidet. Amphibien und Reptilien wurden in der Vergangenheit auch deshalb als zweitklassige Tiere eingestuft, weil sie im Unterschied zu den »warmblütigen« Vögeln und Säugetieren »kaltblütig« sind. Diese Bezeichnungen sind allerdings irteführend und finden als zoologische Begriffe keine Verwendung mehr (siehe S. 78—79). Im Vergleich zu Vögeln und Säugetieren sind Amphibien und Reptilien keineswegs zurückgeblieben oder minderwertig, sondern stellen entwicklungsgeschichthche Stufen im Laufe der Evolution des Tierreichs dar. Sie haben lediglich andersartige Anpassungen entwickeh, sind aber in vielerlei Hinsicht ebenso erfolgreich wie Vögel und Säugetiere. Ihre Stoifwechselprozesse und der damit verbundene Energieverbrauch gestalten sich zum Beispiel wesentlich ökonomischer, und aufgrand spezieller Anpassungen können einige ihrer Vertreter in Umweltbereichen leben, die für andere Tiere unzugänglich sind. So sind einige Reptilien in der Lage, auch in den trockensten Wüsten zu überleben, wo Vögel und Säugetiere nur schwer oder gar nicht existieren könnten. Auch die Erkenntnis, daß Amphibien und Reptilien wesentlich vielgestaltiger sind als früher vermutet, hat das große Interesse der Wissenschaft an diesen Tieren mitbegründet. Daß es so lange gedauert hat, bis man zu dieser Einsicht gelangte, mag auch daran gelegen haben, daß die moderne biologische Forschung ihren Ursprung in Europa hat, einem Kontinent, der, verglichen mit Nord- und Südamerika und insbesondere den Tropen, wo noch immer neue Arten entdeckt werden, verhältnismäßig arm an Amphibien und Reptilien ist. Doch schließlich entdeckten die Biologen, daß diese Tiere für die verschiedensten zoologischen Disziplinen die idealen Studienobjekte darstellen.

Termékadatok

Cím: Kriechtiere und Lurche [antikvár]
Kiadó: Mosaik Verlag
Kötés: Fűzött keménykötés
ISBN: 3570089797
Méret: 220 mm x 290 mm
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Vélemény:
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