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Vorwort
Den Frieden zu bauen ist schwer. Das weiß ich nicht nur aus meiner Arbeit auf dem Balkan. Denn der Krieg zerstört Infrastruktur - auch die seelische. Es ist eine langwierige Arbeit, diese Wunden zu heilen und wieder Strukturen für das Weiterleben zu schaffen. Mit diesem Wissen aus meiner langjährigen politischen Arbeit und der eigenen Lebensgeschichte schreibe ich dieses Vorwort. Ich will dabei nicht verhehlen, dass es für mich erst problematisch erschien, über die Lebensentwürfe anderer, nicht so stark in Anspruch genommener Altersgenossen, glaubwürdig zu schreiben. Schließlich hatten sie doch nicht die gleichen Chancen wie ich. Gewiss würde ich meine Sachkunde nicht verneinen, und auch die spezifischen Erfahrungen mit einer belastenden Vergangenheit und einer schwierigen Gegenwart kann ich nicht leugnen. Doch genügt das wirklich, um über die Situation eines anderen sachgerecht und nicht nur gefühlsorientiert zu urteilen? Ich bin da nicht sicher. Deshalb sind die folgenden Zeilen als ein Versuch und nicht so sehr als eine Bekundung von Gewissheiten zu verstehen.
Berichte ich also zunächst von mir. Ich bin 1929 geboren, in einer Familie aufgewachsen, die bereits Anfang 1933 in die Fänge des NS-Regimes gelangte, weil Vater wie Mutter schon vor der Machtpreisgabe der Weimarer Republik gegen Hitler Front machten (»Wer Hitler wählt, wählt den Krieg«) und deshalb sofort den Repressionsmaßnahmen der nun »braunen Führung« unterlagen. Gefängnis, Zuchthaus, Konzentrationslager waren die Konsequenzen.