Bővebb ismertető
EINLEITUNG
J_yin talmudisches Sprichwort sagt: »Die Quelle möchte sich ausgießen ohne Ende, doch der Becher setzt der Gabe die Grenze.« Idi glaube fast, daß jeder Schriftsteller, wenn er zur letzten Zeile seines Buches kommt, etwas von dieser Begrenzung fühlt. Wieder einmal konnte man aus der unendlichen "Welt des Erlebten, des Gesehenen, Gespürten, Erlittenen, Gewollten und Gedaditen nidit mehr sdiöpfen als einen engen Bedier voll; ein Maß, beschränkt durdi das Talent, den Fleiß und die Gestaltungskraft des Erzählenden, aber auch durch den Stoff, den er gewählt hat (soweit bei dem geheimnisvollen Vorgang des Schaffens von einer Wahl die Rede sein kann), und durch die betrübliche Tatsache, daß auch die längste Geschichte irgendwo aufhören muß. Und so setzt man den Schlußpunkt unter das Gesdiriehene, immer mit dem Gefühl, daß nur die halbe Arbeit getan ist; immer hoffend, daß unser kostbarster Mitarbeiter die fehlende Hälfte beisteuern wird: der Leser. Der freundliche Leser, wie es in altmodischen Büchern so richtig heißt.
Ach ja, freundlidier Leser, wirst Du ergänzen, was wegbleiben mußte, wirst Du die ungesagten Dinge verstehen, wirst Du ein Ohr für die Sdiwingungen und Obertöne der unvollendeten Melodie haben? Wirst Du die Geduld, die Sympathie und die tiefe Freundlichkeit mitbringen, die zum Lesen eines Buches gehören? Oder wirst Du reizbar und ungeduldig an dieses Buch herangehen, das so voll ist von den reizbaren, gejagten Kindern unserer Zeit? Oder mag es sich gar herausstellen, daß Du ein unfreundlicher Leser bist, der, voreingenommen und übelnehmend, mißverstehen will, wo nichts mißzuverstehen ist? Wir alle wissen ja, wie leicht selbst ein Brief, selbst eine Postkarte, ein Telegramm mißverstanden werden kann. Um wieviel mehr dann ein Buch, geschrieben in einer Zeit, da das gedruckte Wort so viel für Propaganda mißbraucht worden ist, daß man ihm nicht mehr über den Weg traut; um wieviel mehr erst ein Buch, das in einem Land spielt, das Du, lieber Leser, vielleicht nicht kennst und von dem Du Dir meist ein phan-