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DIE BLAUE MILCHKANNE
Wie feiner Staub sprühte der Regen vom grauen Himmel herab. Kuddel stand mit seiner blauen Milchkanne am Rand des Bürgersteiges und betrachtete gedankenvoll das Kopfsteinpflaster. Der matte dunkle Glanz der Steine erregte seine Aufmerksamkeit. Er beugte sich tiefer, hockte sich sogar hin, um die Wasserperlchen auf den gerundeten Steinen besser sehen zu können.
Mit schnellen Schritten nahte ein Mann in einem gelben Kamelhaarmantel. „Sauwetter", knurrte er. „Eh, dummer Bengel, stell deine Kanne nicht mitten in den Weg!"
Kuddel guckte von unten her dem Dicken ins Gesicht. Der wütende Ausruf erschütterte ihn nicht im mindesten. Vollgefressene Wanze, dachte er, noch immer auf dem Bordstein hockend.
Der Dicke mit dem kostbaren Mantel, der so gar nicht zu den grauen, schmutzigen Mietskasernen paßte, war inzwischen eilig weitergetrippelt.
„Schieberpack", murmelte Kuddel hinter ihm her.
Plötzlich sprang er auf, nahm seine Zweiliterkanne und ging, sie heftig hin und her schlenkernd, gemütlich weiter. Er hatte ja Zeit - viel Zeit! Wenn man durch Hamburgs Straßen ging, gab es für einen, der wie Kuddel erst vor einem Jahr mit seinen Eltern aus Mitteldeutschland an die Wasserkante gezogen war, viele erregende Dinge. Im
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