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I. Das schlimmste Geschenk. Zeichnung von Alfred Kubin.EinleitungEs muß unserer prüden Gesellschaft ins Gesicht geschleudert werden, daß unsere jungen Männer eher eine Dirne als ein Mädchengemüt kennenlernen," schrieb mit dem sittlichen Furor des Moralkritikers um die Mitte des verflossenen Jahrhunderts Eduard von Mohl, und er gab mit diesen Worten eine Kritik des Verhältnisses zwischen der Gesellschaft seiner Zeit und der Prostitution. Dies Wort hat seine Geltung bewahrt bis in unsere Tage, und erst die neuerliche Umgestaltung der sexuellen Beziehungen zwischen den Geschlechtern setzt ihm eine Schranke. Das neunzehnte Jahrhundert mit der durch das napoleonische System organisierten Prostitution machte aus der käuflichen Liebe ein unter den Schutz der Gesetze gestelltes Gewerbe. Das bleibt sie, trotz der sich in diesem Jahrhundert radikal vollziehenden Neuordnung der Gesellschaft, trotz des Fortschritts der Zivilisation und der Weiterentwicklung der Kultur, trotz der Propagierung der Idee von der Würde und von den Rechten des Menschen. Und es sind gerade die letzten Dezennien des neunzehnten Jahrhunderts und die ersten Lustren des zwanzigsten, in denen die Prostitution im menschlichen Geschlechtsleben eine dominierende Stellung einnimmt, eine Stellung, deren Macht sie den Philanthropen als ,,soziales Übel", wenn nicht Schlimmeres durch seine Folgen, erscheinen läßt. Diese Tatsachen rücken die Prostitution in den MittelpunktI Moreck Sittengeschichte II5