Bővebb ismertető
Im Blickpunkt
Jubiläen: Pflichtübung oder Prüfstein
Der 14. Juli, Tag des Sturmes auf die Bastille 1789, ist Frankreichs Nationalfeiertag, Urbild aller Festtage unter dem Zeichen der nationalen Demokratien, ein Datum als Nationaldenkmal. Jahr für Jahr wird das Spektakel des Erinnerns an den größten Revolutionstriumph der Geschichte inszeniert. Es läßt sich nicht einfach abtun mit dem Hinweis, daß der Alltag des Franzosen, seine privaten und politischen Kümmernisse, das eine sind und nationale Jubelfeste das andere. Was haben sie miteinander zu tun? Jubiläen besitzen ihr Recht, und auch wir besitzen ein Recht auf Jubiläen. Die habituellen Momente, wie etwa die bloße Wiederholung, die relative Regelmäßigkeit gehören zu ihrem Stabilisierungseffekt. Ihr Schwergewicht sollte jedoch nicht in erster Linie nach der runden Zahl bemessen werden, sondern nach der Eindringlichkeit des Bilanzierens, zu dem sie uns zwingen. In den letzten Jahren kam es immer wieder zu heftigen Protesten gegen die Veräußerlichung unserer Fest- und Gedenktage, wurde das Wie kritisiert, die Schematik des Begehens.
Ist unser Blick inzwischen nicht schon getrübt durch die kaum noch bezweifelte Klarheit, mit der wir Säkolar-
daten zur Kenntnis nehmen? Der 200. Geburtstag Beethovens, der 500. Geburtstag von Kopernikus, kürzlich die Bewunderungsgebärden anläßlich des 250. von Klopstock, des 200. Caspar David Friedrichs - feiern wir die Feste wirklich nicht nur so, wie sie in den Platz der politischen und kulturellen Redaktionen unserer Medien fallen?
Skepsis ist bestimmt überall dort berechtigt, wo die Aussicht besteht, den Gehalt auf Kosten der Einkleidung zu stärken. Das Risiko, beim Überprüfen unserer Gedenktage ihre gesamte Topik mit in Frage zu stellen, schließt auch sein Gutes ein. Gegen die zuverlässige Griffigkeit solcher Meilensteine wie den 14. Juli in Frankreich oder den Tag der Oktoberrevolution in der Sowjetunion ist kein Kraut gewachsen, nur Mißtrauen. Vertiefen sich die historischen Spuren zu ausgefahrenen Geleisen, dann wird unsere Geschichte, werden wir selbst ein Opfer der Unvereinbarkeit von Gedächtnis und Wertungsbewußtsein. Gedenken und Erinnerung zählen zu den Grundnotwendigkeiten der Existenz des einzelnen wie zur gesellschaftlich-politischen Verfassung. Die Feierdaten erleichtern uns den Weg, so wie die Kletterhaken im Fels. Unseren Weg erleichtern? Liegt denn