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Heinrich Stubbe - Kulturbrief August 1975 [antikvár]
 
Im Blickpunkt Der Akademiker auf dem Arbeitsmarkt von morgen Ein Gespenst geht um in der Bundesrepublik Deutschland, das des akademischen Proletariats. Bei anhaltendem Zuzug zu den Hochschulen wird es, vorsichtigen Hochrechnungen zufolge, schon 1980 eine Million Studenten geben. Der Bildungsnotstand, den Georg Picht vor mehr als einem Jahrzehnt proklamierte, dürfte dann nicht nur behoben sein, vielmehr ist zu erwarten, daß bis dahin ein erdrückendes Überangebot an qualifiziertem akademischen Nachwuchs soziale Probleme schafft, wie sie...
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Im Blickpunkt Der Akademiker auf dem Arbeitsmarkt von morgen Ein Gespenst geht um in der Bundesrepublik Deutschland, das des akademischen Proletariats. Bei anhaltendem Zuzug zu den Hochschulen wird es, vorsichtigen Hochrechnungen zufolge, schon 1980 eine Million Studenten geben. Der Bildungsnotstand, den Georg Picht vor mehr als einem Jahrzehnt proklamierte, dürfte dann nicht nur behoben sein, vielmehr ist zu erwarten, daß bis dahin ein erdrückendes Überangebot an qualifiziertem akademischen Nachwuchs soziale Probleme schafft, wie sie bei uns seit dem Ende der zwanziger Jahre nicht mehr bekannt waren. Schon jetzt redet man von einer Lehrerschwemme, obwohl der Bedarf an Pädagogen in den meisten Bundesländern noch nicht gedeckt ist, und morgen wird uns mit Sicherheit eine Juristenschwemme ins Haus stehen, deren Ausmaß noch niemand so recht abzuschätzen weiß. Der Tag, an dem aus Bildungsarmut die Armut der Gebildeten wird, an dem hochgelehrte Doktoren der Jurisprudenz ihre Dienste als Taxifahrer anbieten und hochspezialisierte Diplom-Ingenieure sich als Hafen- oder Lagerarbeiter verdingen müssen, scheint freilich noch fern, und zu hoffen ist, daß dieser Zustand in nennenswer- tem Umfang niemals eintritt. Zum erstenmal seit Kriegsende hat eine Rezession auch die Angehörigen von Berufen erfaßt, deren Ausübung einen qualifizierten Hochschulabschluß zur Voraussetzung hat. Mag die Zahl der arbeitslosen Akademiker im Verhältnis zur Zahl aller Arbeitslosen in der Bundesrepublik auch klein sein, so geht von der Tatsache, daß auch Hochschulabsolventen zunehmend von Stellungslosigkeit bedroht sind, eine Signalwirkung aus. Kein Zweifel: der arbeitslose Akademiker bildet einen Sozialfall besonderer Art. Nach einer meist überaus langen, stets aber für ihn und die Gesellschaft äußerst kostspieligen Ausbildung tritt ein Hochschulabsolvent spät in die Berufswelt ein, oft erst, wenn er das 28. Lebensjahr schon erreicht hat. Entsprechend werden die Früchte der Arbeit spät geerntet, dafür im allgemeinen aber auch bald doppelt und dreifach. Der Akademiker ist ein Spätstarter, der sich dann gleichwohl an die Spitze der gesellschaftlichen Pyramide setzt — seine Kreativität, seine Dienstleistungen, sein Managertum werden hoch dotiert. Diesem traditionellen Schema entsprechen die Erwartungen, die heute nahezu jeder noch hegt, der sich zu einer akademischen Ausbildung ent-

Termékadatok

Cím: Kulturbrief August 1975 [antikvár]
Szerző: Heinrich Stubbe , Helmut Rohde , Ivo Frenzel Max von der Grün
Kiadó: Inter Nationes e. V.
Kötés: Tűzött kötés
Méret: 130 mm x 210 mm
Heinrich Stubbe művei
Helmut Rohde művei
Ivo Frenzel művei
Max von der Grün művei
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