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Im Blickpunkt
Recht auf Bildung und gesellschaftlicher Bedarf
Ganz unversehens ist in den letzten Wochen ein neues kulturpolitisches Thema aktuell geworden. Produzieren wir zu viele Akademiker, die nach Vollendung ihres Studiums keine ihrem Studium angemessenen Arbeitsmöglichkeiten finden? Züchten wir ein akademisches Proletariat heran? Haben wir zu viele Abiturienten und Studenten? Die Warnungen aus den verschiedenen Berufsfeldern für Akademiker mehren sich von Tag zu Tag. Die Deutsche Physikalische Gesellschaft kreierte gar das Wortmonstrum „Physikerberg", um darauf aufmerksam zu machen, daß im Jahre 1980 viel weniger Stellen für ausgebildete Physiker bereitstünden, als derzeit Anwärter auf diese Stellen an unseren Universitäten ausgebildet werden. Bislang hörten wir nur von „Butterbergen" und „Schweinebergen". Daß man mittlerweile auch stellungslose Akademiker zu Bergen auftürmt, zeigt nicht nur einen erschreckenden Mangel an Sprachempfinden an, es macht zugleich auch deutlich, wie dramatisch einige Beobachter die künftige Situation sehen.
In der Tat scheint die Zeit vorüber zu sein, in der es für akademisch
Ausgebildete relativ leicht und problemlos war, eine ihrer Ausbildung mehr oder weniger angemessene Tätigkeit zu finden. Nicht nur die Politologen und Soziologen, denen man auch schon in den zurückliegenden Jahren die Brotlosigkeit ihrer Kunst prophezeite, auch die Absolventen so honoriger und gesellschaftlich nützlicher Studiengänge wie etwa Jurisprudenz, Volkswirtschaft, Architektur sowie bestimmte Sparten der Naturwissenschaften bieten für die Zukunft offenbar keine relativ sichere Aussicht auf adäquates berufliches Unterkommen mehr. Die Szenerie hat sich gewandelt. Das erst vor wenigen Jahren proklamierte und durch entsprechende bildungspolitische Anstrengungen auch bis zu einem gewissen Grade durchgesetzte allgemeine „Recht auf Bildung" droht funktionslos zu werden, wenn die Gesellschaft nicht mehr garantieren kann, daß diejenigen, die jetzt so massiv von diesem Recht Gebrauch machen, es nicht mehr für einen künftigen Beruf nutzen können. Ein nicht geringer Teil der Studentenmassen, die seit einigen Jahren so massiv in die alten und neuen Universitäten drängten, ist durch das Fehlen von Lehrern in allen Schulgattungen in eine zunächst noch aus-