Bővebb ismertető
Im Blickpunkt
Mehr Spielraum für Kreativität
Der künstlerisch begabte einzelne sieht sich heute noch immer zwischen hochdotierter Repräsentativfunktion der verwalteten Kultur und dem zur Kultur als Ware abgewerteten Kulturbegriff eingeengt. Die Vermarktung der Kreativität ist ihm nicht günstig, die Repräsentationskultur dient vornehmlich der Pflege des überkommenen Kulturgutes. Die Subventionierung von Orchestern, Theatern, Opernhäusern stützt die reproduzierenden Begabungen. Der lebende Autor, Komponist, bildende Künstler steht viel schlechter da als der Schauspieler, der Dirigent, ja auch das Orchestermitglied. Der Mäzen der bürgerlich kapitalistischen Kultur, der sich seiner annahm, ist durch die Kulturverwaltung ersetzt, die vielleicht formal gerechter, aber doch weniger leidenschaftlich, weniger mutig die einzelnen stützt. Selbst die höchstdotierten Preise, die in der Bundesrepublik spärlich genug vergeben werden, entsprechen Bruchteilen der Jahreseinkünfte höherer Beamter. Der Markt, der von der bürgerlich kapitalistischen Kultur in der Bundesrepublik noch geblieben ist, gönnt der Mehrzahl der künstlerischen Begabungen Einkünfte am unteren Rand der mittleren Ein-
kommenslagen. Gewiß gibt es Spielräume, Durchschlupfe, Glücksfälle, die aber keinen Gegenbeweis zur kritischen Situation erbringen. Und die Gesellschaft ist dieser Tatsache gegenüber indifferent, weil sie, an die Karriere durch Ausbildung gewöhnt, dem Streß lieber in der Unterhaltung ausweicht, als sich mit der künstlerischen, häufig kritischen Leistung auseinanderzusetzen. Nicht eingeordnete Kreativität ist ihr verdächtig. Nun sind Kreativität und Kultur natürlich nicht identisch; aber Kultur ohne Kreativität ist am Ende nur noch museal und also für die Weiterentwicklung der Gesellschaft ziemlich bedeutungslos. Kompromisse zwischen Kulturverwaltungen und künstlerisch begabten einzelnen, von denen ich sprach, sind kein Anlaß zum Jubeln. Sie könnten in äußerster Konsequenz zur Schaffung und Erhaltung von Freiräumen, Spielräumen, Kulturreservaten dienen, in denen Künstler, Philosophen, Maler, Dichter oder Komponisten, ähnlich wie die Indianer in den USA, nur noch in Reservaten Überlebenschancen haben und den Besuchern dann und wann Abenteuerliches der heilen Welt vorzuspielen haben. Und da alle schöpferisch Tätigen ein großes Schutzbedürfnis haben, scheinen solche Reservate manchem wün-