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Im Blickpunkt
Die Zukunft der Vergangenheit
Wir stehen im „Europäischen Denl<-malschutzjahr 1975". Der Europarat hat es beschlossen, hat es ausgerufen unter dem Motto „Eine Zukunft für unsere Vergangenheit". Er trägt damit dem in den letzten Jahren deutlich spürbaren Sympathiezuwachs für die Überbleibsel unserer Vergangenheit Rechnung. Während im privaten und kommerziellen Bereich die Nostalgiewelle überschwappt, entzündet sich In der Öffentlichkeit die Diskussion über den unveräußerlichen Wert historischer Bauten und gewachsener städtebaulicher Strukturen. Antiquarischen und künstlerischen Argumenten gesellen sich nun auf breiter Front gestaltpsychologische, soziologische und politische zu. Berichte und Kommentare der Massenmedien nähren die Vorstellung, die Fürsorge für die Hinterlassenschaft der Geschichte habe Ihren endgültigen Durchbruch erreicht. Das Bild trügt. Und es wäre geradezu verhängnisvoll, würde das offizielle Jubelprogramm des Jahres 1975 dieser Vorstellung Vorschub leisten. Denn unterrepräsentiert in der öffentlichen Diskussion sind die anderen: die Skeptiker, die ästhetisch Unempfindlichen, die phantasieverachtenden Pragmatiker, die auf Zuwachsraten
programmierten Ökonomen, die von der Rezession geschockten Kämmerer. Sie sind nicht böse, sie sind oft gebildet, sie sind gelegentlich freundlich-willige Gesprächspartner. Aber muß denn, so die lauten oder leisen Einwände dieser Widerwilligen, der Konservator die Welt in ein Museum verwandeln, die Stadt wirtschaftlich strangulieren und die Landwirtschaft auf die Epoche der Leibeigenschaft festschreiben? Kühl wird Konzentration empfohlen: am besten Auswahl jeweils eines Vertreters eines Typs. Die Idee des Freilichtmuseums fasziniert als Ausweg mit Anstand. So die Ratschläge auch aus Parlamenten, Ministerien, Kommunen und Verbänden.
Und dann sind da noch die unmittelbar Betroffenen, die ungezählten kleinen Denkmalbesitzer. Sie können es schwer verstehen, daß ihnen im Namen des Volkes Einschränkungen und auch Opfer auferlegt werden, die den Nachbarn nicht treffen. Es Ist nicht damit zu rechnen, daß diese schwelgende Minderheit - oder Ist es nicht doch die Mehrheit? -Im Rahmen des durch das ganze Jahr 1975 sich abwickelnden Festprogramms angemessen zu Wort kommt. Aber sie wird während des gleichzeitig abrollenden Rezessionsjahres