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Claus Heinrich Meyer - Kulturbrief November 1974 [antikvár]
 
Im Blickpunkt Über die Gewalt der Wörter Der große Reizstoff dieses Jahres ist — oder sollte sein — das neue Buch von Heinrich Boll „Die verlorene Ehre der Katharina Blum oder: Wie Gewalt entsteht und wohin sie führen kann". Boll hat ein literarisches Pamphlet geschrieben. Diese Katharina Blum ist eine junge Frau proletarischer Herkunft, sie lebt und arbeitet in bürgerlicher Ruhe, bis sie sich im Karneval in einen verfolgten und überwachten Bundeswehrdeserteur verliebt. Am Morgen danach verhilft sie ihm zur Flucht aus dem...
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Im Blickpunkt Über die Gewalt der Wörter Der große Reizstoff dieses Jahres ist — oder sollte sein — das neue Buch von Heinrich Boll „Die verlorene Ehre der Katharina Blum oder: Wie Gewalt entsteht und wohin sie führen kann". Boll hat ein literarisches Pamphlet geschrieben. Diese Katharina Blum ist eine junge Frau proletarischer Herkunft, sie lebt und arbeitet in bürgerlicher Ruhe, bis sie sich im Karneval in einen verfolgten und überwachten Bundeswehrdeserteur verliebt. Am Morgen danach verhilft sie ihm zur Flucht aus dem bereits umstellten Haus. Das millionenfach verbreitete Boulevardblatt ZEITUNG bemächtigt sich der Geschichte und bläst zum Rufmord. Katharina ist die „Mörderbraut", die „Kommunistensau", die „Kreml-Tante"; ihre kranke Mutter stirbt vor Aufregung. Der Mutter Frage „Warum mußte das so kommen?" wird in der ZEITUNG umgedreht zum „So mußte es ja kommen". Endlich erschießt Katharina Blum einen ihrer Verfolger, den ZEITUNG-Reporter Töt-ges. In dem ironischen Vorspann zur „Katharina Blum" schreibt Boll: „Personen und Handlung dieser Erzählung sind frei erfunden. Sollten sich bei der Schilderung gewisser journalistischer Praktiken Ähnlichkeiten mit den Praktiken der ,Bild'-Zeitung ergeben, so sind diese Ähnlichkeiten weder beabsichtigt noch zufällig, sondern unvermeidlich." „Gewalt durch Wörter" heißt also das Thema, das — aus einem allgemeinen Unbehagen heraus — in der Presse bisher meist nur versteckt, doch nicht im Sinne einer Aufklärung des Lesers behandelt worden ist. Wer eigentlich weiß schon, wie eine Zeitung gemacht wird? Unter welchen Bedingungen eine Redaktion arbeitet? Wie die Struktur eines großen Zeitschriftenverlages beschaffen ist? Mondfahrt, Autotechnik — da finden wir uns zurecht; aber das Funktionieren der Massenmedien gleicht einer Geheimwissenschaft, weil eine berufsständisch verbrämte Geheimniskrämerei hohe Mauern um das Geheimnis Presse errichtet hat. Wer informiert? Wer unterhält und belehrt? Was ist die zur öffentlichen Meinung erklärte veröffentlichte Meinung? Kein Wort darüber, weil in der Regel Journalisten nicht über Journalisten schreiben. Denn, so lautet die immer wiederholte Ethik dieser falschen Bescheidenheit: Das interessiere doch niemanden! — wobei der wahre Sinn heißt: Das hat niemanden zu interessieren, nämlich, von wem und warum welches Futter in den Trog geschüttet wird. Weil also unter den gegebenen

Termékadatok

Cím: Kulturbrief November 1974 [antikvár]
Szerző: Claus Heinrich Meyer , Dr. Oskar Splett , Günther Schloz Margrit Gerste
Kiadó: Inter Nationes e. V.
Kötés: Tűzött kötés
Méret: 130 mm x 210 mm
Claus Heinrich Meyer művei
Dr. Oskar Splett művei
Günther Schloz művei
Margrit Gerste művei
Bolti készlet  
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