Bővebb ismertető
Im Blickpunkt
Uns geht's doch gut
Die Bundesrepublik Deutschland ist im Herbst des vergangenen Jahres Vollmitglied der UN geworden. Seit dieser Zeit haben die Menschen in diesem Staat etwas mehr internationales Bewußtsein erhalten - was allerdings nicht am Eintritt in die Völl erfamilie lag, sondern an der zufällig ebenfalls im Herbst 1973 beginnenden Erdöl- bzw. Energiekrise (unter nicht unwesentlicher Beteiligung der multinationalen Konzerne). Daß die UN das Jahr 1974 zum Weltbevölkerungsjahr proklamiert haben, gehört in der Bundesrepublik bis heute zu jener Kategorie von Wissen, mit dem bei einem Fernsehquiz manch guter Punkt zu machen ist. Allein das Wort „Bevölkerungspolitik" hat für sehr viele Menschen in einem modernen Industriestaat beim ersten Hören einen Unterton von Sex und Hemmungslosigkeit und was dergleichen spießbürgerlicher Urteile und Vorurteile mehr sind. Doch ist das Thema „Bevölkerung", obwohl es in seiner Individuellen Be-zogenheit natürlicherweise etwas mit Sexualität zu tun hat, überhaupt kein „Sex-Thema", das nach journalistischen und politischen „human inter-est"-Erfahrungswerten für Schlagzeilen sorgen könnte. Fragen der Be-
völkerungspolitik sind zum Beispiel jene Probleme, die sich für die Gesellschaft der Bundesrepublik aus den Tatsachen ergeben, daß immer weniger Menschen geboren werden und daß immer mehr Mitglieder anderer Nationen auf ihrem Territorium leben und arbeiten. Was bedeutet es für die Zukunft des 60-Millionen-Landes Bundesrepublik, wenn das Geburtendefizit (1973: fast 100 000 Tote mehr als Neugeborene) sich fortsetzt oder wenn die Zahl der Menschen, die mit der nicht gerade glücklichen Bezeichnung „Gastarbeiter" genannt werden, immer weiter zunimmt (jeder 15. in der Bundesrepublik gehört einer anderen als der deutschen Nation an)? Zugegeben: ein paar Politiker äußern sich besorgt, welche Beiträge kommende Generationen in die Rentenversicherung zahlen müssen; und die Antipathiewelle gegenüber ausländischen Arbeitnehmern schwappt in Rezessionszeiten höher als sonst. Aber was sind das schließlich für Probleme in einem Land, in dem es fast zum guten Ton gehört, darauf zu verweisen, daß hierzulande die Inflationsrate am geringsten, die Arbeitsplätze sicherer als anderswo, die Währung fast am stabilsten und die Außenhandelsbilanz erstaunlich positiv sind. Dieses „Uns-geht's-doch-gut"-GefühI,