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Im Blickpunkt
Der Preis des Wohlstands
Auf der Berliner Jahrestagung des Club of Rome machten Wissenschaftler der argentinischen Bariloche-Stif-tung unlängst den Vorschlag, den Wohlstandsindikator „Bruttosozialprodukt pro Kopf" zu ersetzen durch den Wohlfahrtsindikator „durchschnittliche Lebenserwartung". Bringt der eine die Summe aller national produzierten Güter und Leistungen zum Ausdruck, so ist der andere eine gleichfalls statistisch berechenbare Größe, die den Saldo aller lebensfördernden und lebensbeeinträchtigenden Bedingungen einer Gesellschaft verkörpert. Folgt man der letzten UN-Statistik, so hat ein männlicher Neugeborener In Westafrika eine durchschnittliche Lebenserwartung von 39 Jahren. Am längsten lebt man demgegenüber in den Industriestaaten, genauer: in den entwickelten Wohlfahrtsstaaten. Den Rekord hält Schweden mit einer durchschnittlichen Lebenserwartung für Jungen von 71,89 Jahren und für Mädchen von 76,77 Jahren. Es folgen Norwegen, Holland, Dänemark, Island und die Schweiz. In der weiteren Führungsgruppe finden sich die DDR, Japan, aber auch Neuseeland oder Israel. Erst danach folgt das Gros der „Spitzenreiter" des Bruttosozialprodukts pro Kopf.
Ein deutliches Gefälle der Lebensbedingungen zeigt sich nun aber nicht nur im Vergleich der Länder hoher (Europa) und niedrigster Lebenserwartung (Afrika). Es zeigt sich auch innerhalb von nationalen Gesellschaften: Schwarze Amerikaner sterben viel früher als weiße; Arbeiter in der Bundesrepublik Deutschland sterben wesentlich früher als Akademiker oder Unternehmer. Zur Debatte stehen soll hier jedoch ein anderes, ein zeitliches Gefälle: In zahlreichen entwickelten Industriestaaten stirbt man in den siebziger Jahren wieder früher als in den sechziger Jahren. Erkennbar wird diese gravierende Trendwende allerdings erst, wenn man von der Lebenserwartung im Jahre Null absieht. Hier nimmt sie nämlich, angesichts der noch immer anhaltenden Senkung der Säuglingssterblichkeit, weiterhin zu. Bereits für Fünfjährige (Jungen) haben sich die Aussichten jedoch im Vergleich zum Beginn der sechziger Jahre wieder verschlechtert — um 0,19 Jahre in der Bundesrepublik, 0,28 in der DDR, 0,50 in den Nlederianden und um 1,44 Jahre in der UdSSR. Die Lebenserwartung Ist also kein lupenreiner Schlüsselindikator für die Lebensqualität eines Landes. Aber das Bruttosozialprodukt, das keiner-