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Geleitwort
Im Grunde reicht die Konzeption dieses Buches bis in die unvergeßlichen Leipziger Mittwochs- und Samstagsnachmittagsstunden zurück, in denen Wilhelm Wandt seine Vorlesung über „Völkerpsychologie" las. Dort sind mir (und akademischen Freunden) Zweifel aufgestiegen, ob mancherlei von dem, was der Altmeister vor seinen Hörern ausbreitete, nicht eher den Bereichen der Kultur und der Geschichte angehöre, als dem Leben der Stämme, Völker und Nationen. Dennoch bin idi erst ein halbes Jahrhundert später dazu gelangt, der „Sozialpsychologie" und „Völkerpsychologie", die ich beide durch Jahrzehnte in regelmäßigem Turnus vorgetragen, im Sommer-Semester 1950 und im Wintersemester 1950/51 eine beide Semester übergreifende Vorlesung über „Kulturpsychologie" folgen zu lassen.
Ihre Quintessenz ist, was ich hier als Buch vorlege. Vor dem ersten Weltkrieg hätte vielleicht die Versuchung nahegelegen, auch für den Druck die Vorlesungsform beizubehalten. Das war um die Jahrhundertwende eine große Zeitmode, entfesselt wohl vorzüglich durch Theodor Billroths faszinierende Vorlesungen über „Allgemeine Chirurgie", die nicht nur durch ihren Inhalt, sondern gerade auch durch die Meisterschaft ihrer Formgebung sich eines Weltrufes erfreuten. Ob ein Wilhelm Windelband von der „Willensfreiheit" handelte oder ein Otto Binswanger die Pathologie und Therapie der „Neurasthenie" monographierte — sie ließen es sich nicht nehmen, jedes Kapitel mit „Meine Herren" zu überschreiben und das „Als ob" der Viva vox zu suggerieren. Die Nachteile machten sich sehr bald bemerkbar. Vorträge behandeln ein Thema entweder viel gedrängter oder viel weitsdiweifiger, als es einem Lehrbuch ansteht; der Letterndruck ersetzt niemals leibhaftig die lebendige Stimme, Haltung und Gestik des Redners - eine „Schreibe" ist etwas von einer „Rede" wesensverschiedenes. Ich bin in keinem meiner wissenschaftlichen Bücher jener Versuchung erlegen, auch in diesem nicht. Als ich mein eigenes Stichwörterbüchlein, mein „Heft", wie man vor hundert Jahren gesagt haben würde, aufs neue durchmusterte und zwei Hörer die Güte hatten, mir ihre stenographischen Mitschriften meiner Vorlesung zur Verfügung zu stellen, die Herren Dr. Robert Kirchhoff, jetzt Assistent des Psychologischen Instituts der Universität, und Dipl.-Psychologe Herbert Winzer, wofür ich beiden Herren aufrichtigen Dank* schulde, da wurde mir nur um so deutlicher, wie weit-
* Herrn Dr. Kirdihofi habe idi überdies für treue Korrekturhilfe herzlidi zu danken.