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Kunst der Reformationszeit Bildende Kunst der Reformationszeit - damit sind jene bildnerischen Zeugnisse des ausgehenden 15. und des 16. Jahrhunderts in Deutschland gemeint, die im Spannungsfeld frühbürgerlicher Emanzipation und klerikalen Machtanspruchs als Ausdruck individuellen wie machtpolitischen Bekenntnisses entstanden sind. Gewissermafien als achte neben den gepriesenen sieben freien Künsten (Grammatik, Rhetorik, Dialektik, Arithmetik, Geometrie, Musik, Astronomie) wurde die »Bildnerei< zu einem der wichtigsten Mittel der Welt- und Selbsterkenntnis. Die Spanne dieses Zeitraums sei mit den Lebensdaten seiner bedeutendsten Reprásentanten umrissen: Albrecht Dürer (1471 - 1528), Tilman Riemenschneider (1460-1531), Lucas Cranach d.Á. (1472-1553), Mathias Grünewald (um 1470-1528) und schliefilich Martin Luther (1483-1546). Seiten hatte Kunst einen so unmittelbaren Anteil an gesellschaftlichen Bewegungen wie in dieser von sehr unterschiedlichen, vielseitigen und auch widersprüchlichen sozialen, machtpolitischen, ökonomischen wie philosophischen Interessen bestimmten Periode des Aufbruchs in die Neuzeit, deren bedeutendstes Resultat die Reformation war. Ihr geistiger Führer, Martin Luther, wurde zur zentralen und zugleich populársten Gestalt einer Bewegung, die von den Gelehrten und Theologen zwar vor allém als eine geistige verstanden wurde, doch in ihrer Konsequenz alle gesellschaftlichen Schichten in einer Situation gárenden Unmuts erfafite, die nach Veránderung der Gesellschaftsstrukturen drángte. Besonders die unteren Bevölkerungsschichten sahen in Luthers Auftreten einen Anlafi, sich wiederholt gegen die Obrigkeit aufzulehnen, was schliefílich in den Bauernkrieg von 1525 mündete. Das habsburgische Heilige Römische Reich Deutscher Nation, wie es seit 1486 in der Landesfriedensordnung bezeichnet wurde, war trotz wiederholter Reichsreformversuche unter Friedrich III. und dieser demonstratív auf Einheit abzielenden Bezeichnung das europáische Land mit der schwáchsten Zentralgewalt. Der enormen wirtschaftlichen Blüte auf der einen Seite standén die Interessen der vielen territorialen Fürstenháuser entgegen. Sie hemmten die Herausbildung eines nationalen Marktes und handelten damit den Interessen des Bürgertums zuwider. Wáhrend sich andere Staaten Europas wie zum Beispiel Frankreich und England anschickten, unter einer sich festigenden Monarchie den Prozefi der ursprünglichen Akkumulation von Kapital zu begünstigen, war er in Deutschland gebremst. Das