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Vorwort
Die Weisheit Gottes und der Glückseligen spricht nicht in Worten zu uns, sondern in schönen Bildern.
PLOTIN
Gemälde haben ein eigenes Leben, das ganz und gar der Seele des Malers entstammt. van gogh (Brief 439 an seinen Bruder Theo)
Das moderne Bewußtsein ist fasziniert von seiner Entdeckung — oder Wiederentdeckung -der Tatsache, daß bildende Kunst nicht unbedingt Nachahmung der Natur sein muß. Wieder und wieder wird der Gegensatz zwischen gegenständlicher und gegenstandsloser Kunst untersucht, diskutiert und verschärft, und man verbirgt keineswegs seine Vorliebe für die Ungegenständlichen. Eine ganze Ästhetik sieht ihre einzige Aufgabe darin, deren Entwicklung und Daseinsberechtigung aufzuzeigen. Eine ganze Kunstgeschichte ist mit der Suche nach den Vorläufern und Verkündern der gegenstandslosen Kunst beschäftigt. Sind wir nun wirklich dazu verdammt, diesem Leerlauf einer Modeströmung widerspruchslos zu folgen? Allzuleicht artet eine solche Besessenheit in Beschränktheit und Verkalkung aus, und zwar gerade in jene Art von Verkalkung, die das Gedankengut einer Epoche so verderben kann, daß es für die nachfolgende Generation unbrauchbar wird. Dieses Buch soll dazu beitragen, uns aus dieser Situation zu befreien.
Danken wir Gott, daß uns die Kunst auch noch andere, weitere und tiefere Probleme zu stellen hat. Seit ihren ersten Anfängen war es ihre ständige und entscheidende Aufgabe, eine Aussageform des menschlichen Geistes zu sein. Vielleicht sind nach hundert Jahren auch die Probleme der gegenstandslosen Kunst nur noch deshalb interessant, weil sie Zeugnis vom heutigen Menschen geben — und wir dürfen nicht vergessen, daß dieser bis dahin schon lange nicht mehr der
Mensch sein wird.