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Leon Battista Alberti 7
heon Battista Alberti an Filippo Brunellesco
[Florenz, 1436]
Ich pflegte mich über die jetzige Vernachlässigung, ja den fast gänzlichen Verfall so vieler herrlichen und göttlichen Künste und Wissenschaften zu verwundern und gleichzeitig zu betrüben, deren Pflege zur Zeit des Altertums wir aus den auf tins gekommenen Schöpfungen und der Geschichte ersehen: Maler, Bildhauer, Architekten, Musiker, Geometer, Redner, Auguren und ähnliche edle und bewundernswerte Geister findet man heutzutage überhaupt sehr selten, geschweige denn hervorragende Kräfte der Art. So dachte ich denn, durch die Aussagen vieler in diesem Glauben bestärkt, die Meisterin in allen Dingen, die leider alt und müde gewordene Natur, bringe keine solche Genien und keine Giganten mehr hervor, welche sie in ihren, sozusagen jugendlichen und ruhmreichen Zeiten in bewundernswerter Fülle gebar. Nachdem ich aber nach langer Verbannung, in der wir gealtert sind, in dieses unser vor allen andern ausgezeichnete Vaterland zurückgekehrt bin, habe ich eingesehen, daß in vielen, zumeist aber in Dir, Filippo, und in dem uns so eng befreundeten Donato, dem Bildhauer, so wie in jenen andern Cencio und Luca und Masaccio ein Geist lebt, der zu jeder rühmlichen Sache fähig ist, und der durchaus keinem der Alten, wie groß und wie berühmt er auch in diesen Künsten gewesen sein mag, nachgesetzt werden darf. Nun weiß ich aus eigener Erfahrung, daß nicht weniger Pflichterfüllung und Betriebsamkeit als Naturanlagen und Gunst der Zeiten einem die Macht verleihen, nach allen Seiten seiner Begabung hin Hervorragendes