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VORWORT
Die hier gewählte Darstellung des psychiatrischen Lehrstoffes bemüht sich vor allem konsequent um Methodisches; eine solche methodologische Gliederung dürfte dem Lernenden willkommen und eine Hilfe beim Studium dieser SpezialWissenschaft sein.
Die allgemeine und die spezielle Psychiatrie wurde in Anlehnung an das Lehrbuch von E. Bleuler und an das kurzgefaßte Lehrbuch der Psychiatrie von Lange/Bostroem geschrieben; in den be.i-den Teilen sind wohl die wichtigsten Tatsachen genannt, die der Studierende für das medizinische Staatsexamen wissen muß.
Der dritte Teil der vorliegenden Schrift befaßt sich mit den Interpretationen der Psychosen. Er wird alle diejenigen interessieren, welche das Gebiet der Geisteskrankheiten nicht nur eingehender, sondern auch mit theoretischer. Begründung studieren wollen. Neuro-pathologische und psychologische Möglichkeiten der Interpretation werden dargelegt, vor allem aber sind es Aspekte der Anthropologie, welche hier eingeführt werden.
. Unter Anthropologie darf nicht eine rein deskriptive, naturwissenschaftliche Forschungsrichtung verstanden werden, sondern es ist damit die Lehre vom Menschsein gemeint. Im Gegensatz zu der existen-zialphilosophischen Anthropologie wurde in der vorliegenden Schrift diejenige von Gehlen als theoretische Grundlage gewählt. Dabei sei bemerkt, daß sich der von Gehlen vertretenen Lehre ähnliche und analoge Gedanken auch bei Scheler, Palägyi, Klages, von Weizsäcker u. a. finden.
Beim Studium der Psychiatrie hat der Lernende im allgemeinen mit erheblichen Schwierigkeiten zu kämpfen. Gegenüber anderen klinischen Fächern machen sich hier, wenigstens teilweise, völlig verschiedene Anschauungen, Denkarten und entsprechende Voraussetzungen geltend. Zahlreiche Studierende finden deshalb nur eine geringe Beziehung zur Psychiatrie; andere fühlen sich zwar von ihr angezogen und interessieren sich daftir, doch bleiben sie letzten Endes unbefriedigt. Diesem Umstand soll besonders der dritte Teil des vorliegenden Buches Rechnung tragen und Schwierigkeiten theoretischer Art ein Stück weit klären.
Zürich, im Sommer 1948
Herbert Binswanger