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In Lappland herrscht eine tiefe Stille, die auch bei gelegentlichen Unterbrechungen durch leise seufzende Winde oderfernes Wassergeflüster nicht an Eindringlichkeit verliert. R. P. LISTER / A JOURNEY IN LAPLAND Unsere Maschine startete an einem wolkigen Sommerabend bei Einbruch der Dámmerung zum Flug von Oslo nach Lappland, der über eine Entfernung von mehr als 1600 Kilometern nach Norden führen sollte. Immerhin ist dies eine lángere Strecke als von der norwegischen Hauptstadt nach Mailand. Allmáhlich wurde es düster, doch blieb die völlige Dunkelheit aus. Vielmehr stieg die bereits unter den Horizont gesunkene Sonne erneut empor, die Bewölkung ging zurück, und nach der Uberquerung des Polarkreises blickten wir um Mitternacht in einen leuchtendblauen Himmel, der nach untén hin in ein rötliches Licht getaucht schien. Wir überflogen einen riesigen Gletscher und schauten aus groBer Höhe auf eine majestátische Landschaft hinab, in der schneebedeckte Gipfel und kahle Höhenrücken aufragten, soweit das Auge reichte. Die Mitternachtssonne strahlte über den Bergen Lapplands. Wer Lappland auf der Landkarte sucht, findet - vielleicht zu seiner Überraschung - keinen Nationalstaat dieses Namens und auch keine Provinz irgendeines Landes. Diese Landschaft ist die Heimat der Lappén, deren Grenzen nicht durch Regierungsbeschlüsse, sondern durch die vorgegebenen Wanderrouten ihrer Rentierherden gezogen wurden. Bereits vor Beginn der geschichtlichen Uberlieferung besiedelten die Lappén die nördlichsten Ausláufer Europas, und gegenwártig leben rund 30000 Angehörige dieses Volkes in einem Gebiet, das sich von der norwegischen Atlantikküste zum WeiBen Meer und vom Europáischen Nordmeer bis weit über den Polarkreis hinaus nach Süden erstreckt. Aus praktischen Gründen hatte ich beschlossen, meinen Besuch auf den Teil Lapplands zu beschránken, der jenseits des Polarkreises innerhalb der