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Die letzten Meter waren immer die schlimmsten. Der schmale Kiesweg war steil, so daß man leicht ausrutschte, und da er mitten durch die Weinberge führte, war die Luft extrem feucht und nahezu unnatürlich warm. Laras Gesicht war schweißnaß, und ihre Beine waren schwer wie Blei; sie keuchte wie ein Marathonläufer auf der Zielgeraden. Aber um in ihren geliebten Klostergarten zu kommen, war ihr keine Anstrengung zu groß. Auch an jenem Nachmittag fand sie, daß es wieder mal die Mühe wert gewesen war. Sie hatte den Gipfel des Monte Carmelo erklommen, und nun lag ihr ganz Ligurien zu Füßen. Das Panorama war von schier überwältigender Schönheit.
Als Lara noch ein Kind gewesen war, hatten ihre Eltern ganz in der Nähe des Klosters ein Sommerhaus besessen. Von der Terrasse aus hatte man einen vrandervollen Blick aufs Mittelmeer, und an klaren Tagen konnte man am Horizont sogar die großen Frachter erkennen, die den Hafen von Gknua ansteuerten. Heute gab es dieses Haus nicht mehr. Man hatte es abgerissen, die umliegenden Gärten planiert, und wo Lara einst in mädchenhafter Unschuld von ihrem Märchenprinzen geträumt hatte, stand jetzt eine jener modernen Ferienanlagen aus Beton und Stahlrohr, die vom Animadonspro-gramm bis zum Zimmer-Service so ziemlich alles boten, nur keine Gemütlichkeit. Pietra 2000 nannte sich dieses Urlaubs-Utopia.
Lara seufzte und zündete sich eine Zigarette an. Nichts war mehr so, wie es einmal gewesen war; alles war anders geworden, auch sie selbst. Früher war sie ein Mensch gewesen, der sich nicht hatte »abfinden« wollen, der widerspenstig und halsstarrig war und das Leben als eine einzige große Herausforderung betrachtete, allzeit bereit, sich aufzulehnen - ob nun gegen die anderen oder gegen sich selbst. Einmal hatte sie sogar gewagt, es mit dem Schicksal aufzunehmen, und das war ihr großer Fehler gewesen.
Wer sich Gottes Ratschlag widersetzte, der wurde zu einer verlorenen Seele!