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BIZET, L'ARLÉSIENNE. SUITE m I
Léon Carvalho war nach dem Zusammenbruch des von ihm von 1855 bis 1869 ganz ausgezeichnet geführten „Théâtre lyrique" Direktor des „Théâtre du Vaudeville" geworden, eines ausgesprochen literarischen Theaters. Um nun nicht ganz auf die MUsik verzichten zu müssen, beauftragte er den damals 34 jährigen Georges Bizet, eine Bühnenmusik zu einem Drama von Alphonse Daudet, „L'Arlésienne" betitelt, zu schreiben, welches in dem Vaudeville-Theater aufgeführt werden sollte. Da aberdie Geldmittel, über welche Carvalho verfügte, nur sehr geringe waren, mußte er dem Komponisten die Bedingung auferlegen, nicht mehr als 26 Spieler zu verwenden.
Bizet ging darauf ein und setzte sein Orchester aus folgenden Instrumenten zusammen: 2 Flöten, 1 Oboe (oder Englisch Horn), 1 Klarinette, 2 Fagotte, 1 Alt-Saxophon in Es, 2 Hörner (eins ohneVentile), 2 Pauken (der Pauker mugte zugleich das provençalische Tamburin schlagen), 1 Klavier, 4 erste Geigen, 3 zweite Geigen, 1 einzige Bratsche, 5 Celli und 2 Baggeigen. Aber dies Miniatur-Orchester gebrauchte er mit genialer Geschicklichkeit, und schrieb eine überreiche Partitur dazu, die ein Meisterwerk von harmonischer und orchestraler Er> findung ist und das poetische Drama von Alphonse Daudet wundervoll erläutert. Diese Partitur umfagt ein Vorspiel, Zwischenaktsmusik, Chöre (hinter der Szene), und zahlreiche und leidenschaftliche Melodramen.
E. B.
Die Erstaufführung fand am 1. Oktober 1872 statt.
Bizet begann sofort sein Werk für groges Orchester neu zu instrumentieren. Als erstes führte er diese Arbeit an dem Vorspiel, einem Intermezzo, einem Melodram und einer Zwischenaktsmusik aus; diese vier Stücke ordnete er in eine Orchester-Suite ein, die am 10. November des gleichen Jahres in den von Jules Pasdeloup dirigierten „Concerts populaires" aufgeführt wurde. Die Suite halte großen Erfolg und wurde unter dem Titel: „L'Arlésienne, Suite d'orchestre" herausgegeben. Wir veröffentlichen hier die Partitur davon.
Nachdem Emest Guiraud nach dem Tode seines Freundes Bizet eine zweite Suite von vier Stücken aus „L'Arlésienne" zusammengestellt und veröffentlicht hatte, wurde die von Bizet selbst herausgegebene Suite als Suite No. 1 bezeichnet.
Diese Suite besteht aus den folgenden vier Sätzen:
No. 1. Prélude enthält zwei Teile: der erste besteht aus einem alten proven-çalischen Weihnachtslied, das fünfmal wiederkehrt mit köstlichen Abwechslungen in der Instrumentation und Harmonisierung ; der zweite Teil enthält zuerst die sügklingende Weise des Saxophons, welche das Leit-Motiv des Innocent ist (Takt 90—107), dann (Takt 119 und folgende) das leidenschaftliche Thema, das die Liebe des Frédéri charakterisiert.
No. 2. Minuetto, das zwischen dem 3. und 4. Akt des Dramas von Alphonse 3842